Bei mir bestand nach der 4. Klasse Hauptschulempfehlung (schlechte Noten durch Langeweile, kein Witz.) Meine Mutter schickte mich trotzdem auf die Realschule, obwohl sie eigentlich das Gymnasium für mich richtiger fand. Auf der RS wurde ich das erste Mal gefördert, was zur Folge hatte, dass ich nach 2 Jahren RS aufs Gymnasium wechseln musste.
Ich muss dazu auch sagen, dass ich damals wohl ganz gut ins Beuteschema der HS passte: "Asi", weil geschiedene Eltern, Schlüsselkind, relativ arm, gewalttätiger Stiefvater, verhaltensauffällig (Selbstverletzungen)...so ein Kind passte auch Ende der Siebziger nur auf die Hauptschule, egal, wie schlau oder dumm.
Beide Empfehlungen (Hauptschule und Gymnasium) kamen von Lehrern. Zum Glück hat die Entscheidung meiner Mutter gegen die Empfehlung des Grundschullehrers mir zumindest einen weiteren Schulwechsel erspart. Oder vielleicht auch nicht? Denn womöglich hätte ich auf der HS einfach frustriert und gelangweilt aufgegeben und hätte nicht mal den Abschluss geschafft...
Das Aussortieren von Kindern nach den falschen Gesichtspunkten ist also nichts Neues. Ob dabei der Zeitpunkt der Aussonderung tatsächlich eine Rolle spielt, kann ich nicht sagen. Ich wünschte mir nur mehr Lehrer wie meine damaligen Realschullehrer, die sich genug für mich interessierten, um mir Extra-Aufgaben etc. zu geben. Mein ganz persönliches Fazit ist, dass es nicht unbedingt auf das Schulsystem an sich ankommt, sondern auf gut ausgebildete, motivierte, interessierte Lehrer. Und es könnte auch nicht schaden, wenn jedes Kind bei Einschulung zumindest halbwegs deutsch sprechen könnte.