Die Wenigsten werde heutzutage wirklich den Bund fürs Leben schließen, es ist meist doch eher ein Bund für mal sehen wie lange das gut geht. Oder kommt da wieder das Scheidungskind in mir hoch?
Ich für meinen Teil finde, du siehst das in diesem Punkt n bissl argh negativ. ^^" Ich für meinen Teil muss nicht alle jubel Jahre den Partner auswechseln. Mir reicht einer für den Rest. Dafür brauch ich auch nicht zwingend nen Ring um den Finger. Das finde ich heutzutage ja so praktisch. "Früher" scheint es ja oft "dazu" gehört zu haben - so als Pflicht-Ziel im gemeinsamen Leben.
Es klingt wahrscheinlich negativer als es gemeint war. Ich wollte damit nicht implizieren, dass man bei jedem kleinen Streit gleich die Beziehung beendet. Es ist aber so, dass ich, auch wenn ich noch so sehr möchte, nicht an "glücklich bis ans Ende unserer Tage" glauben kann. Aber hoffen kann man trotzdem

Stimmt, verheiratet sein als Lebensziel ist nicht mehr so präsent. Zum Glück, finde ich. Vielleicht liegt es an diesem nachlassenden sozialen Druck, dass wieder vermehrt geheiratet wird?
Andererseits verlernen Leute dadurch auch, sich auf Kompromisse einzulassen, denn es besteht ja kein Zwang mehr, die Beziehung zu kitten und am Laufen zu halten. Ich vermute, dass einige geschiedene Ehen durch mehr Arbeit der Ehegatten wieder glücklich geworden wären. Wieviel Aufwand einem das wert ist, muss nun jeder für sich selbst entscheiden.
Diese Entwicklung finde ich doch schon etwas bedenklich. Es zeigt, das früher nicht alles schlecht war. ^^"
Es war aber früher halt auch nicht alles besser ^^ Manchmal hab ich das Gefühl, dass die nachgewiesene sinkende Aufmerksamkeitsspanne bei Menschen sich auch auf Beziehungen erstreckt... Für einige Entwicklungen ist einfach keine Geduld mehr da, man langweilt sich schnell miteinander.
Was das Leiden von Scheidungskindern angeht: auch wenn die Eltern ihre Entscheidung "egoistisch" treffen und dem Kind nicht vorhalten, es sei nur zu seinem Besten (das hört man häufiger beim Zusammenbleiben), gibt sich häufig das Kind die Schuld. Meine Schwester war lange der Überzeugung, hätte sie abends nur immer aufgegessen, dass unsere Eltern sich nicht hätten scheiden lassen. Sie war damals fünf. Die meisten Beziehungen, die sie hatte, gingen nur bis zum ersten Streit, weil sie das gemeinsame Bewältigen von Konflikten nie erlebt hatte. Zum Glück hat sich das inzwischen geändert.
Ich selbst bin zu lange in einer eigentlich schon lange beendeten Beziehung geblieben, weil mir eine Trennung wie ein persönliches Versagen vorkam, als müsste ich es besser wissen.
Schlüsselkind war ich auch. Mein (damals etwas konservativer) Vater fand es furchtbar und beschimpfte meine Mutter als Rabenmutter, ich fand es super. Damals war das für die Mitschüler meist ein Grund für Mitleid, weil deren Mamis alle mit dem Essen auf sie warteten. Ich hatte vorher einen Kochkurs im Kindergarten gemacht und fand es wunderbar, endlich mal selbst bestimmen zu können, was es gab. Ungestört fernsehen war natürlich auch ein großes Plus ^^
Inzwischen weiß man ja viel mehr über die "Spätfolgen" der Scheidungen bei Kindern, und insofern gelten Scheidungskinder heute bei vielen als besonders betreuungsbedürftig, emotional geschädigt und schlechthin "lebensuntüchtig". Dazu kommt, dass viele Alleinerziehende von Hartz 4 leben, die Kinder also, da arm, vorn vornherein als bildungsfern etc. abgestempelt werden.
Da fällt mir ein, dass "Bist du ein Scheidungskind?" eine der drei Fragen eines Bekannten ist, mit denen er klärt, ob eine Beziehung mit einer Person infrage kommt. Bei "ja" verliert er sofort das Interesse. Es gibt also immer noch ein Stigma, aber mehr für die Kinder als die geschiedenen Eheleute.
Was nun die Quote von Alleinerziehenden in den verschiedenen Einkommensschichten angeht, kenne ich keine Zahlen. Ich persönlich kenne zwei alleinerziehende Akademikerinnen, aber das könnte eine Minderheit sein. Ein Problem mit Hartz IV: Wenn Hausfrauen verlassen werden und das Sorgerecht behalten, wird ihnen der (Wieder)Einstieg ins Berufsleben mehr als schwer gemacht. Für viele Arbeitgeber sind Kinder ein Hinderungsgrund, auch wenn sie das wegen möglicher Diskriminierungsklagen nie als Ablehnungsgrund angeben würden.