Die Beantwortung dieser Frage ist für mich ziemlich leicht.
Ohne Natur kann ich überhaupt nicht leben, da gehe ich ein. Ich bin damit aufgewachsen, die Tür zu öffnen und nach maximal 5 Schritten Gras zwischen meinen Zehen zu spüren. Ganz so extrem braucht es natürlich nicht immer sein, aber schon allein wenn es nicht möglich ist, ohne Nutzung von irgendwelchen Verkehrsmitteln spätestens nach 10 min Fußweg im Grünen zu stehen, wird es mir schon zuviel.
Ich mag keine Städte. Und je städtischer eine Stadt ist, desto schlimmer. Das hängt nicht zwangsweise mit der Einwohnerzahl zusammen, sondern viel eher mit der Mentalität der Leute und den Stadtplanern. Es gibt Kleinstädte, die diesbezüglich weit schlimmer sind als so manche Großstadt.
Dieses "Städtische" ist auch der Grund, warum ich mich in Hamburg nicht wohl gefühlt habe. Natur ist für mich kein Park, den irgendwer mal auf zerbombten Häuserresten hindesignt hat. Natur sollte mit dem Begriff "Natur" schon noch etwas zu tun haben. Es gibt in Hamburg schöne Parks und auch das künstlich aufgeschüttete Sandufer der Elbe ist ganz nett, aber mit Natur hat das für mich nicht wirklich viel zu tun. Vor allem dann nicht, wenn man den Straßenlärm trotzdem noch hört, ölschmierige Schiffe rumdümpeln und da noch 10.000 andere Menschen rumlaufen und ihren Müll und ihre Kippen achtlos wegwerfen, weil sie ja wissen, dass die Stadtreinigung das schon wieder richten wird.
In der richtigen Natur gibt es keine Stadtreinigung, die das richtet.
Ich teile Kallistis Leidenschaft für Berge und so wie es für Eisbär das Höchste (haha, im wahresten Wortsinne!) ist, den Deich zu erklimmen und die Tiefebene zu überblicken, ist es für mich das Größte, einen Berg (und damit meine ich 1500m und höher) zu erklimmen und von dort den Horizont zu betrachten. Aber um dieses Extrem geht es mir zunächst gar nicht, denn für die Berge muss man sich ohnehin explizit Zeit nehmen. Wichtiger ist für mich in erster Linie, das kleine Stück Alltagsnatur, das jeden Tag auf mich wartet.
Als Holger und ich uns nach einer Wohnung umsahen, waren wir uns eigentlich einig, dass wir nicht mehr in der Stadt wohnen wollen. Zufällig hat es sich jetzt aber ergeben, dass wir beides haben können; die Vorzüge, relativ Zentral zu wohnen und doch mitten in der Natur, da wir direkt neben einem weitläufigen Waldgebiet sind, das sich an die Isarauen anschließt. Das ist fantastisch! Und bei guten Wetter sehen wir die Berge. Ich liebe diese Wohnung!
Ich bin ein Kind der Natur, ich bin ein Teil von ihr, wie ein Teil eines höheren Organismus, dessen Einzelteile nur dann richtig funktionieren, wenn sie sich ab und zu mit ihrem Mutterorganismus synchronisieren. Ich bin eine Zelle im Gewebe der Natur. Entferne ich mich, sterbe ich ab.