Ich sehe da Theorie und Praxis: Manch Politiker verlangt Dinge, die nur aufgrund irgendwelcher theoretischen Annahmen gemacht wurden, ohne die Praxis wirklich zu kennen. Vielmehr aber werden Aussagen auch einfach
nur gemacht, um sich bekannter zu machen und ins Gespräch zu bringen, durchaus wohl wissend, dass der Vorschlag eh wieder in der Versenkung verschwinden wird, weil völlig unrealistisch und von den Gerichten eh wieder einkassierbar.
Es gibt Vorschläge, ihnen die Heizkosten zu streichen, sie in 25-qm-Wohnungen zu sperren, sie mit Gutscheinen zu entmündigen, ihnen das Sorgerecht zu entziehen, sie zu Kochkurse zu zwingen (!), wenn ihre Kinder zu dick sind. Es wird darüber gestritten, ob einem Arbeitslosen ein neuer PC gehören darf oder ob sein Kind von 2,50 Euro am Tag satt werden kann, und ob diesem Kind Sportverein und Musikunterricht überhaupt zustehen, da es ja sowieso als bildungsfern gilt. Oder ob ein Sozialhilfeempfänger auch mal mit Freunden ausgehen darf. Oder wieviel Zähne er im Mund haben muss und ob er bei Krankheit wirklich jedes Medikament braucht.
All diese Vorschläge wurden von wem gemacht? - Ja, genau: Irgendwelchen Politikern, die weniger Entscheidungsträger sind, sondern gerne mal Säbelrasseln betreiben. Ob sie das
wirklich denken? Gute Frage, nächste Frage. Denn ob es ihnen primär nur darum geht, sich ins Gespräch zu bringen, weiß man nicht.
Dasselbe gilt dann auch für jene, die eine Reichensteuer fordern, weil die Reichen ja Sozialschmarotzer wären, oder einen Aufschlag der Mehrwertsteuer für Luxusgüter, etc. - auch das ist höchst demagogisch, und auch da weiß man nicht, was davon ernst gemeint ist oder nicht.
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Auf Kommunalebene und vor allem auf der Verwaltungsebene sieht es -glücklicherweise- anders aus.
Da zeigt sich dann z.B. gegenüber der Krankenkasse, dass die das ziemlich entspannt sieht: O-Ton "wir wissen ja, dass ein schlechtes Gebiss die Berufschancen schmälert, also haben wir ein Interesse daran, dass es gerade bei HartzIV-Empfängern in Ordnung ist" (habe ich in irgend einem Magazin mal gesehen, fragt bloß nicht wo, hab's vergessen ....).
Deutschlandweit gibt es Sozialstellen, die kostenlos PCs an Bedürftige abgeben, teils durchaus auch vom Staat gefördert.
Es gibt in der Tat zahlreiche Vereinbarungen der Ämter mit Mieterschutzbund, Sportvereinen, Musikschulen, etc ..., in dem Wissen, dass all dies dazu führt, dass ALGII-Empfänger neben der finanziellen Armut nicht auch noch sozial ausbluten. Auch hier in dem Wissen, dass sozial Entwöhnte länger bis ewig arbeitslos bleiben, weil die Integration in einen Job, wo Sozialkompetenz gefragt ist, irgendwann nicht mehr möglich ist.
Wer sich von Menschen entwöhnt hat, wird irgendwann beinahe automatisch zu dem Sesselpuper, von dem alle reden, es wäre eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Es ist also nicht so, dass Ämter oder auch Mitbürger sofort an lebensunfähige Loser denken, wenn ihnen ein HartzIV-Empfänger begegnet. Vor allem im Zug der Finanzkrise, als Menschen arbeitslos wurden, für die die Arbeitslosigkeit das Schlimmste aller Übel ist, als Menschen arbeitslos blieben die sogar hochqualifiziert sind, erfolgte dort auf der gesellschaftlichen Ebene ein Umdenken.
Aber, wie überall, gibt es dann jene, die auf Stammtischniveau der Zeitung mit den großen vier Buchstaben denken.
Tja, und da gibt es dummerweise Politiker, die Sprüche, die dazu passen, raushauen. Denn diese sind es, die sie in die Schlagzeilen bringen.
Siehe oben: Es wird nicht von oben runtergeguckt, es wird einfach nur ein Thema gesucht, das schön politisch unkorrekt und markig ist, um seinen eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern.
Was davon schlimmer ist? - Ich weiß es nicht.
Subjektiv gesehen kommt's aufs Gleiche raus: Dass mit jedem bekloppten Vorschlag das Image gegenüber einfach zu beeinflussenden Menschen weiter verschlechtert wird.
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Das Problem kennen andere Berufsgruppen aber auch:
*Studenten etwa sind ja auch nur alles faulenzende Langschläfer, die sich auf Staatskosten einen faulen Lenz machen (natürlich gibt es die, ich schätze diese Gruppe aber auf weit unter 10%),
* Beamte arbeiten ja eh alle langsam und sind total unmotiviert, weil ihre Kohle sicher ist (dass heute kaum jemand mehr verbeamtet wird und überdies mir noch kein Beamter begegnet ist, der nicht in Arbeit umkommt, obwohl er Vollgas gibt, wird gerne übersehen),
* Anwälte sind ja eh alles Rechtsverdreher, die zu viel Geld verdienen, weil sie es ja nehmen können (auch hier kenne ich nicht einen Anwalt, der unter einer 60-Stunden-Woche, alles inklusive, wegkommt. Aber nine-to-five-Arbeitende regen sich drüber auf ...),
* Azubis sind ja alles faule Säcke, die man heutzutage ja gar nicht einstellen oder übernehmen könne (dass jede Menge Qualifizierte nicht übernommen werden, weil die Arbeitgeber lieber 1-Euro-Jobber nehmen, ist ja günstiger, wird auch gerne mal übersehen ...),
und so weiter, und so weiter.
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Zu HartzIV & Co. noch einmal:
Das meines Erachtens größte Problem in der Ecke sind die sogenannten Aufstocker.
Ich kann und will nicht verstehen, dass es hierzulande Jobs gibt, bei denen Menschen 40 Stunden die Woche arbeiten und nicht einmal das absolute Existenzminium erhalten, das ein Arbeitsloser erhält, sondern der Staat ihnen Geld zuschießen muss, damit er den HartzIV-Satz hat! DAS ist der
eigentliche Skandal!
Westerwelles "Arbeit muss sich lohnen" stimmt.
Aber dann muss man die Arbeit finanziell absichern über gesetzliche Mindestlöhne, um Ausbeutung zu verhindern, und nicht etwa die HartzIV-Gegebenheiten unattraktiver.
Die sind eh schon am unteren Ende. Spielraum nach unten (auch wenn das manch Politiker gerne behauptet) gibt es hier eh keinen mehr.