Wir reden hier von ca. einem Zehntel der Bevölkerung, und da sind die Aufstocker (glaube ich) noch gar nicht mitgezählt. Man müsste sich nur mal klar darüber werden, was für eine politische Macht das eigentlich wäre...
... wäre sie, würde sie mit einer Stimme sprechen, und wäre diese Gruppe nicht doch sehr heterogen.
Ich kenne das Phänomen von Studierenden her: Mal gesetzt den Fall, Studenten würden allesamt für ein ganzes Semester streiken und ein halbes Jahr lang auf die Barrikaden gehen, dann würden sie mit Sicherheit mehr erreichen, als sie es momentan tun.
Das aber scheitert daran, dass es zu viele unterschiedliche Interessen gibt: Es gibt genug Studierende, die dieses halbe Jahr niemals nie "verlieren" möchten und deswegen eher auf die Barrikaden gehen, wenn die Unis dichtgemacht werden würden seitens der Streikenden!
Das habe ich selbst erlebt. Und da ging es grade mal um einen Streik für zwei Tage ...
HartzIV ist auch nicht gleich HartzIV: Da gibt es jene wie dich, die durch chronische Krankheiten arbeitsunfähig werden und damit zum ALGII-Fall werden, da gibt es aber auch ehemalige Immigranten, die kein Wort Deutsch können, für ihr sechstes Kind aber dennoch diesen Kinderzuschuss neben HartzIV haben wollen, oder tatsächlich den arbeitslosen Schmarotzer, der sagt "wieso? Geld kassieren und schwarz was dazuverdienen hin und wieder ist doch geil, für mich muss hier nichts geändert werden!"
Es gibt die ehemaligen Studierenden, die sofort HartzIV-Empfänger sind und das eh als vorübergehenden Zustand ansehen und sich deswegen genauso wie obige genannten Studierenden verhalten würden, es gibt den 58jährigen entlassenen Arbeiter, der keinen Ärger mehr haben möchte und die Zeit bis zur Rente einfach nur aussitzen will.
Dann gibt es wiederum die Hochmotivierten, denen die derzeitige Situation mächtig stinkt, weil sie kein Praktikum länger als 2 Wochen genehmigungslos machen dürfen und auf die Barrikaden gehen, oder jene, die sich ehrenamtlich engagieren und es untragbar finden, dass dies nicht in irgend einer Form seitens des Staates honoriert wird.
Und, und, und ...
Da mit einer Stimme zu sprechen und damit sich die Lobby heranzuziehen, die notwendig wäre, um wirklich aufzubegehren, gleicht der Quadratur des Kreises.
Ansonsten brachte es colourize sehr schön auf den Punkt: Es ist schon perfide, dass man das Problem "zu kleiner Abstand zwischen Niedriglöhnen von Arbeitenden zu Geldern für die Arbeitslosen" momentan so gelöst werden soll, dass man nicht die Ausbeutungslöhne anhebt, sondern dafür sorgen möchte, dass man die Gelder für die Arbeitslosen gerne unters Existenzminimum drücken möchte, und das rein nur deswegen, damit sich die Ausgebeuteten nicht mehr ganz so ausgebeutet fühlen, bzw. Arbeitslose dazu motiviert werden, Jobs anzunehmen, in denen ihre Arbeitskraft hoffnungslos ausgebeutet wird.
Wie sonst soll man sich erklären, dass es überhaupt Aufstocker gibt. Vom Arbeitgeber nicht mal das Existenzminimum zu erhalten, obwohl man sich 40 Stunden die Woche für ihn krumm macht, ist nun wirklich pervers.