Vielen Dank, dass ihr eure doch sehr persönlichen Erfahrungen und Meinungen hier aufgeschrieben habt! Teilweise musste ich ganz schön schlucken bei dem, was ich gelesen habe, und einiges davon habe ich wiedererkannt. Es ist schon erschreckend, was Eltern ihren Kindern antun können, auch wenn sie ja meistens nur das Beste für sie wollen! Wie es aussieht, schadet es den Kindern in
jedem Falle, wenn die Beziehungen der Eltern zerbricht... Und es ist dann Sache der Eltern, Schlimmeres zu verhüten. Leider können das wohl nicht alle, oder?
Mich selbst hat allerdings nicht nur die Scheidung meiner Eltern stark negativ geprägt, sondern auch die nachfolgenden Beziehungen meiner Eltern. Die Scheidung hat mir sinnbildlich den Boden unter den Füßen weggerissen, und ich habe - im Nachhinein gesehen - bis heute auch immer das Gefühl gehabt, in der Luft zu hängen. Ich hatte in den ersten Jahren extrem starke Verlustängste, die aber niemand als solche erkannte und die dementsprechend nicht aufgefangen wurden. Dazu kamen schlimme psychosomatische Schmerzen/Beschwerden, die leider nur als Versuch zur Schulschwänzerei aufgefasst wurden.

Es half auch nicht gerade, dass sich mein erster Stiefvater als alkoholsüchtiger schizophrener Psychopath herausstellte, der uns alle in immer kürzeren Abständen mit Gewaltausbrüchen und später auch Mordversuchen tyrannisierte - an die er sich hinterher meistens nicht mehr erinnerte. Er versuchte sogar meine geliebte Katze mit Benzin zu töten. Nach unserer Flucht und der 2. Scheidung hatte meine Mutter noch wenige weitere langjährige Beziehungen, von denen die erste für mich ziemlich unerträglich war, aus verschiedenen Gründen, u. a. weil er besonders mich, die Älteste, als Konkurrenz um die Liebe meiner Mutter ansah.
Auch wenn ich inzwischen - u. a. dank langjähriger Analyse - immerhin
weiß, warum mich Begriffe wie Familie und Liebe eher misstrauisch und vorsichtig werden lassen, ändert es wenig an der Tatsache, dass es so ist. Ich denke, dass die kaputten Beziehungen meiner Eltern (auch meines Vaters) sich tief in mich eingegraben haben.
Eine dramatische Wendung nahm die Beziehung meiner leiblichen Eltern aber danach noch: Einige Jahre nach der Scheidung, als beide noch in ihren 2. Ehen steckten, gestanden sie sich gegenseitig ein, dass die Scheidung ein Riesenfehler gewesen war und sie besser zusammen geblieben wären. Das hat mir meine Mutter viel später mal erzählt, und sie meinte, das hätte uns allen viel Leid erspart. Aber wer weiß??

Die Scheidung meiner Eltern war Mitte der Siebziger - da war man als Kind sowieso nur Beiwerk in einem Rechtsstreit und wurde nicht viel anders behandelt als eine Sache, über die halt irgendwie verfügt wurde. Diese Sicht hat sich doch ziemlich geändert, und jetzt wird mehr auf das Wohl der Kinder geachtet als früher, hoffe ich...?