@ Timur und Philomel:
Zwingend ist das natürlich nicht, es war ja nur eine Art Schlussfolgerung aus den vielen schlechten Beispielen in meiner eigenen Familie... Schön zu lesen, dass es auch andere Beispiele gibt!
Vielleicht liegt die Prägung, die man durch die Eltern, die Erziehung erfahren hat, oft gar nicht dicht genug an der Oberfläche des Bewusstseins, als dass man ganz bewusst dagegen ankämpfen könnte? Wie viele junge Eltern nehmen sich vor, "alles ganz anders zu machen" als die eigenen Eltern - und ertappen sich dann doch oft genug dabei, dass sie in die gleichen Muster verfallen. Ich kenne ziemlich viele solcher Eltern, auch nicht mehr ganz so junge.
Um zu vermeiden, bestimmte Muster der eigenen Erziehung zu wiederholen, muss man sich ganz konkret mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen - mit der Erziehung, den Beziehungen innnerhalb der Familie, dem Rollenverhalten, außerfamiliären Aspekten, und vor allem muss man herausfinden, was hat sich wie ausgewirkt. Dann (und mit dem Alter) sollte als positiver Nebeneffekt auch das Verständnis für das Verhalten der Eltern wachsen, aber selbst dann ist der Erfolg - also das Andersmachen - leider nicht immer garantiert.
Viele Verhaltensweisen und Prägungen sind einfach zu subtil, als dass man dagegen mit einem einfachen Vorsatz angehen könnte - gerade im Bezug auf persönliche Eigenschaften, Rollenverhalten, Geborgenheitsgefühl, Selbstsicherheit und Beziehungen. zu Menschen. Selbst für augenscheinlich vordergründige Dinge wie Sucht und Gewalt, bei denen sofort jeder denkt, das werde ich besser machen, gibt es Auslöser, die womöglich so tief liegen, dass es einem gar nicht bewusst ist, dass sie vorhanden sind. Ich schätze mal, dass die wenigsten Väter sich bewusst für die Rolle des Angst und Schrecken verbreitenden, betrunkenen Tyrannen entschieden haben. Was natürlich nicht zwangsläufig heißt, dass der Sohn dann genauso wird! Das will ich wirklich nicht damit ausdrücken, nur, dass ich selbst es unheimlich schwer finde, die entsprechende Prägung zu erkennen und abzustreifen, sprich: mich aus den "Fängen" der Erziehung zu befreien.