Ehrlich gesagt blicke ich bei der ganzen Sache schon längst nicht mehr durch, die Berichterstattung im TV stärkt aber nicht gerade mein Vertrauen in eine objektive Berichterstattung über den Irak und lässt mich zunehmend glauben, dass doch irgendwo Absprachen laufen, wer als "die Guten" und wer als "die Bösen" unserem Volk verkauft werden sollen.
Das fällt mir -mal wieder- an sprachlichen kleinen Spitzfindigkeiten auf, die so klein aber doch so groß sind.
Bis noch vor gar nicht so langer Zeit wurde Gaddafi in den Nachrichten "Staatsmann" genannt, "Regierungschef", vielleicht hin und wieder auch mal "Diktator", zu Schlimmeren Begriffen kam es aber nie.
Und jetzt?
Ist er nur noch der "Despot". Aha ...
Genauso die Rebellen: "Rebellen" klingt toll, klingt irgendwie nach Robin Hood, nach Menschen die was bewegen wollen, nach Revolution, und eine Revolution ist ja meistens irgendwie gut.
Aber es kommt ja noch schlimmer! Da ist nun plötzlich von "Aufständischen" die Rede. Was für ein Wort ist das überhaupt? Dudentauglich jedenfalls nicht.
In einem anderen Land werden "Aufständische" dann auch gerne mal als "Terroristen" bezeichnet (etwa in Palästina oder Afghanistan), obwohl sie exakt dasselbe tun, nämlich gegen die hiesige Regierung militärisch anstinken.
Alleine aufgrund dieser Kleinigkeiten habe ich ein verdammt komisches Gefühl im Magen nun bei dieser militärischen Intervention. Es ist einfach viel zu offensichtlich, dass man Gaddafi weg haben will, koste was wolle.
Colourize bringt es m.E. da auch genau auf den Punkt: Das militärische Eingreifen macht alleine schon deswegen kaum einen Sinn, weil man überhaupt nicht weiß, wem man da hilft. Vielleicht sogar jemandem, der noch schlimmer ist als Gaddafi es jemals gewesen ist? Denn, bei aller Schimpfe auf ihn, er ist im Volk beliebter als viele ihn in den Medien derzeit grade machen. Dass es überhaupt so etwas wie einen Bürgerkrieg jetzt gibt liegt auch und vor allem daran, dass seine Anhängerschaft den "Widerständlern" zahlenmäßig in nichts nachsteht.
Es hat für mich ein wenig etwas von dem, was damals beim Unterstützen von Irak vs. Iran geschah: Man schlägt sich auf eine Seite, weil man die andere für "die Schlechten" hält, ohne Ahnung, ob die andere überhaupt "die Guten" sind, um sich dann später überrascht zu zeigen, dass ja beide "die Schlechten" wären.
Darum schließe ich mich colourize' Meinung vollumfänglich an:
Sich von außen einseitig in einen Bürgerkrieg einzumischen, kann meiner Meinung nach nur schief gehen.
Auch und vor allem, weil hierdurch
mehr Menschen sterben werden und nicht etwa weniger.