Die Menschen in Libyen haben nun nach 42 Jahren eine Chance auf die selbstbestimmte Schaffung einer freien, demokratischen Gesellschaft. Unabhängig davon, ob diese Chance tatsächlich genutzt wird, ist das doch eine erhebliche Verbesserunge gegenüber dem Status Quo der letzten Jahrzehnte.
Ach, wirklich?
Erstens: Passt überhaupt eine Demokratie zu Libyen? Alle afrikanischen Staaten, in denen sie existiert, floriert auch die Korruption wie geschnitten Brot. An die Regeln halten, die eine Demokratie erst möglich machen, entspricht nicht gerade afrikanischer Mentalität. Zudem sind sämtliche Gruppierungen vor Ort hierarchisch organisiert: Die Mehrheit als oberstes Prinzip kennt man dort nicht. Hier gelten die Regeln des Stammesfürsten, schon seit jeher.
Es ist naiv zu glauben, dass sich das jetzt mal so eben ändern würde.
Im Gegenteil: Jetzt existiert ein Machtvakuum, das die Gefahr, dass das Land nun im Bürgerkrieg versinkt, auf nahezu 100% fährt.
Und zweitens: Was
war denn bitte der Status quo der letzten Jahre? Gaddafi war ein Diktator und ließ keine Opposition zu. Ok. Aber weiter? Ging es dem Land wirklich
schlecht? Jährliches Wirtschaftswachstum von 5%, es existieren flächendeckende Mindestlöhne (!), es ist eins der reichsten Länder Afrikas: Es hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen Afrikas.
Dazu gibt es noch eine kostenlose medizinische Versorgung, es gibt Witwen-, Waisen- und sogar Altersrenten, wovon andere afrikanische Staaten weitestgehend nur träumen können.
Das alles ist jetzt, auch "dank" der Kriegskosten, gefährdet: Die Infrastruktur ist zerstört, die politische ohnehin, es wurde durch den Waffeneinsatz Geld in Massen in Nichts aufgelöst, das nun im Sozialbereich fehlt.
Ich habe starke Zweifel, ob es dem Land vor dem Krieg schlechter ging als jetzt danach.