Ein Artikel zu Hamburgs Architektur: Schluss mit klotzig
Hab ich auch gelesen und mich dann gefragt, ob denn die Alternative ein historisierender (Backstein-)Stil sein soll, der ja auch erwähnt wird.
Er erwähnt ja auch andere Dinge, die falsch laufen: Die benannten Ausnahmegenehmigungen beispielsweise, dass ein Gebäude auf einmal zwei Stockwerke höher gebaut werden darf als in seiner Umgebung. Hauptsache höher als der Rest drängt sich da auf, hauptsache Teil einer "neuen Skyline" Hamburgs, die neben spitzen Kirchtürmen nun Würfeliges hinzufügen lässt. Siehe Viertel auf dem Gelände der ehemaligen Astra-Brauerei: Warum zum Henker musste man drei der Türme so hoch bauen, dass sie den ganzen Rest, aus bestimmten Perspektiven gar bereits den Michel, zwingend verdecken müssen? Warum haben die "tanzenden Türme" nicht 2/3 ihrer Höhe, womit sie sich sehr viel besser ins restliche Stadtbild einfügen könnten?
Er spricht auch diese glatten Fassaden an.
Für mich das beste, bzw. hässlichste Beispiel dafür ist das Gebäude direkt neben den tanzenden Türmen: Ein rechteckiger Klotz, der scheinbar keine Fenster hat, da nur eine bordeauxrote Fassade von außen zu sehen ist. Als wollte es alles, das drinnen ist, verschlucken, als wollte es Insassen haben und keine Hotelgäste.
Warum nicht kleine Balkone, oder auch nur kleine Brüstungen, eingebaut? Fenster die sich öffnen lassen, sodass die Menschen drinnen auch mal Kontakt zu der Welt da draußen aufnehmen können? Nein, hier wird alles abgeschottet, ausgegrenzt, eingeschlossen.
Diese ganzen architektonischen Leblosigkeiten werden für mich aber noch getoppt durch das neue Gebäude neben der Oper: Da sind nun hinter einer Glasfassade Büros zu sehen. Eine Wand existiert nicht mehr nach außen, pures durchsichtiges Glas ist zu sehen.
Mir drängt sich bei diesem Anblick die Assoziation eines Zoos auf: Seht her, hier die aussterbende Rasse Mensch, sauber Parzelle für Parzelle hinter Glas gesperrt. Besser kann man die "Ware Mensch" nicht visualisieren! Man sperrt ein, man sperrt aus, und schafft nirgends mehr Brücken zwischen drinnen und draußen.
Lassen sich die Fenster der Astra-Türme eigentlich öffnen? Es wirkt nicht so. Vermutlich nicht, damit sich nicht noch jemand vor lauter Hoffnungs- oh, pardon: Leblosigkeit aus diesen Türmen noch stürzt, aufschlagend auf Beton, dem jegliches Grün aus dem Boden gesaugt wurde.