Mannmann, Designer, du schwafelst ganz schön um den heißen Brei...

Der eigentliche Kern fast aller deiner Aussagen ist: "Hilfe, die Gesellschaft verprollt, und wieso bin ausgerechnet ich dazu ausersehen, das aufzuhalten?"

Außerdem ist dein Begriff von Kultur relativ eng gefasst. Kultur steht im Gegensatz zur Natur erstmal für alles, was der Mensch erschaffen hat. Heutzutage wird der Begriff natürlich oft nur oberflächlich für das benutzt, was der Mensch für seine geistigen Höhenflüge hält.
Ich denke nicht, dass es früher anders war, wie weit dieses "gestern" auch zurück gehen mag. Zu allen Zeiten der Geschichte gab es Menschen, die Lust, Zeit, Muße und Geld genug hatten, sich mit "höheren" Dingen zu beschäftigen und hochnäsig oder verständnislos auf das arbeitende Volk herabsahen, das sich mit "profaneren" Dingen abgeben musste. Und es gab die Mehrheit derjenigen, die genauso verständnislos nach "oben" blickten und sich ihren Teil dachten.
Ich kann diese Verständnislosigkeit sogar nachvollziehen. Mir selbst sind viele der Dinge, mit denen andere Menschen ihrem Leben Sinn und Inhalt geben, völlig fremd; es ist mir schleierhaft, wie jemand mit seinem Fußball-, Kegel- oder Schützenverein oder irgendwelchen Unterschicht-TV-Soaps absolut zufrieden sein kann, ohne jemals ein Buch gelesen oder ein Konzert/Museum besucht zu haben.
Der heutige angebliche freie Zugang zu höherer Bildung ist leider oft nur Theorie, die Praxis sieht, zumindest in Deutschland, ganz anders aus. (Zum Thema "Bildungsferne Schichten" gibt es
hier übrigens einen Thread.) Auch heute noch gilt höhere Bildung bei bestimmten Leuten leider als überflüssiger Ballast. Ich selbst hatte vor meinem Studium gegen derartige Vorurteile anzukämpfen, weil meine Umgebung/Familie nicht einmal den
Begriff "Paläontologie" kannte...
Offensichtlich existiert eine unsichtbare Schranke aus Vorurteilen ("langweilig, schulmäßig, überflüssig") vor Museen, Bibliotheken und ähnlichen Institutionen. Es gibt aber auch eine ganz reale Schranke, die von dir als unwesentlich abgetan wurde, die ich aber aus eigener leidiger Erfahrung für viel unüberwindlicher halte: den Eintrittspreis. Mit der dir eigenen *hüstel* Vorurteilslosigkeit hast du geschrieben, der koste doch nur soviel wie Kippen und ein Sixpack... was ganz sicher bei vielen kulturellen Veranstaltungen, z. B. Konzerten, nicht der Fall ist! (Zum Glück existieren auch ein paar kostenlose Angebote, die ja auch gern massenhaft genutzt werden.)
Und hast du dir auch mal überlegt, dass die Anwesenheit des "Pöbels" bei einigen hochkulturellen Veranstaltungen vom (Geld-)Adel überhaupt nicht erwünscht ist? Bestimmte Festspiele, Opern etc. haben den Zugang durch die Eintrittspreise dahingehend ganz eindeutig geregelt. (Die hohen Subventionen darf der Pöbel dagegen gerne von der Steuer abdrücken, aber das ist offtopic...

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