Mal was ganz Persönliches...
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,773718,00.htmlDieser Spon-Artikel und der darin verlinkte
Blog hat einem schon lange in mir vorhandenen vagen Gefühl einen Namen gegeben: Minimalismus. Als alter Bauhaus-Fan bezweifle ich zwar stark, dass es sich um einen „neuen Trend“ handelt

, aber es war doch interessant zu erfahren, dass es auch anderen so ergeht.
Obwohl ich selbst bedingt durch viele Umzüge nicht mehr so viel besitze wie früher, habe ich doch oft das Gefühl, durch das alleinige Vorhandensein einer Unzahl von Dingen richtiggehend belastet zu sein. Ich entrümple daher zwar regelmäßig, und dadurch hat sich der Bestand in meiner „Rumpelkammer“ in den letzten 3 oder 4 Jahren bereits drastisch reduziert, aber die Erleichterung hält jeweils nur kurz an – und nach kurzer Zeit fühle ich mich wieder irgendwie beengt und bedrückt.
Das kann natürlich nur durch die Enge meiner Wohnung ausgelöst worden sein, aber ich denke, es hat noch tiefer gehende Ursachen. Mein Leben hat sich in den letzten Jahren durch äußere Umstände stark verändert, auch meine Persönlichkeit, und ich bin auf der Suche nach neuen Zielen und Plänen. Wahrscheinlich ist es vor diesem Hintergrund nur natürlich, dass ich das Bedürfnis habe, mich - symbolisch wie tatsächlich – von alten, überflüssigen Sachen zu trennen. Die Sachen, an denen mein Herz wirklich hängt und/oder die absolut notwendig sind, passen in wenige Kartons.
Das Merkwürdige ist: trotzdem kann ich mich von vielem Plunder einfach nicht trennen. Weil es Geschenke waren, weil ich oder jemand anderes es noch brauchen könnte, weil es mal teuer war, weil Erinnerungen daran hängen... Diese Dinge kommen mir deshalb manchmal vor wie ein Klotz am Bein, sie behindern mich durch ihre bloße Existenz. Statt mein Dasein abzusichern, wie ich gedacht und erhofft hatte, binden sie mich. Ich frag mich oft, wie viel Lebenszeit ich verschwendet habe, um mir Dinge leisten zu können, die in Wirklichkeit völlig unwichtig und mir jetzt sogar lästig sind.
Immerhin habe ich es in den letzten Jahren geschafft, mir so gut wie keinen neuen Krempel mehr zuzulegen... weil ich anfing, mich vor jedem Kauf zu fragen, ob ich diesen Gegenstand wirklich brauche und wofür und wie lange. Zugegeben, die Tatsache, dass ich sehr knapp bei Kasse bin (ich darf gesundheitsbedingt nicht mehr arbeiten), hat dabei eine gewisse Rolle gespielt – aber der Effekt ist trotzdem, dass ich mehr und mehr erkennen durfte, wie wenig eigentlich zum Leben und zum Zufriedensein notwendig ist.
Und dass es nicht die materiellen Dinge sind, die meinem Leben Sicherheit, Bedeutung und Inhalt verleihen, sondern dass ganz andere Dinge wichtig sind: das Zusammensein mit bestimmten Menschen zum Beispiel, oder ganz besonders auch der Luxus, Zeit zu haben für Tätigkeiten, die mir wichtig sind, die mich persönlich weiter bringen und die mir Freude machen.
Vielleicht schaffe ich es ja eines Tages, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden...