Meine Meinung dazu: Geißler hat sicher diese Wortwahl und dessen Reaktionen unterschätzt, hat sie aber garantiert ebenfalls einkalkuliert. Er wollte klarstellen dass beide Seiten sowas von verbohrt sind, dass sie der Wortwahl "totaler Krieg" definitiv würdig sind. Schlicht aus dem Wissen heraus, dass sein eigener Vorschlag (Hoch- UND Tiefbahnhof bauen, aber beides in abgespeckter Version, das mal eben eine Milliarde Euro spart) nach langem Abwägen der bestmögliche ist.
Dummerweise heißt "bestmöglich" nicht immer "bester", just dann, wenn zwei Parteien überhaupt kein Interesse an einem Kompromiss haben! Hier war nie ein Kompromiss in Reichweite, weil beide Seiten grundsätzlich gewinnen wollten - und zwar zu 100% und nicht nur zu 50! Also war auch dieses Schlichtungsverfahren reine Show.
Dass das einem Heiner Geißler stinkt, kann ich gut verstehen. Dass er dann auch mal Klartext redet, auch. Sogar, dass er mit so einem brisanten Zitat dafür sorgt, dass man an ihm nicht vorbeikommt.
Dennoch war's zuviel des Guten. Nun redet jeder nur noch darüber wie unethisch das war oder doch nicht und nicht mehr über das Wesentliche - jenes nämlich, dass Stuttgart 21-Befürworter und deren Gegner nie einen Kompromiss angestrebt hatten.
Ich finde den Kompromiss ausgezeichnet! Die Gegner sähen ihr Hauptargument "zu teuer" befriedet, die Befürworter hätten ihr "modernes Konzept per Tiefbahnhof" ebenfalls realisiert, die Stadt könnte die Hälfte des Geländes des ehemaligen Hochbahnhofs teuer verkaufen und die Gegner sähen dennoch die Tradition durch den Hochbahnhof gewahrt.
Aber natürlich hat die Stadt schon längst die Grundstücke - alle Grundstücke - verkauft und kann gar nicht mehr zurück.
Und natürlich ist ein Tiefbahnhof für S21-Gegner undenkbar, weil Kompromisse sind für "Dagegen"-Rufer ja völlig ausgeschlossen.
Schade.
Nein, nicht schade: Traurig, bekloppt, vollkommen bescheuert.
Um nicht naheliegende Kraftausdrücke zu benutzen.