Ich finde an "jedem das Seine" nach wie vor nichts Nazihaftes, bzw. zähle es nicht konnotativ in erster Linie mit den Nazis verbunden, sondern sehe es nach wie vor als eine Redewendung, wie es tausende andere auch sind. Das hauptsächlich deswegen, weil den Zusammenhang ohnehin fast niemand weiß und zweitens es eine Redewendung ist, die sich allerorten auch nach der Nazizeit überall finden lässt: In Büchern, in Comics, in Witzen ... den Satz "jedem das Seine, mir das Meiste!" habe ich jedenfalls aus einem, es war Dagobert Duck, dem die Worte in die Sprechblase gelegt wurden.
Es gibt andere Worte, die nazivergiftet sind, "Arbeit macht frei" etwa. Das aber war nie eine Redewendung im häuslichen Gebrauch, es ist ein sprachliches Kunstprodukt.
Mal ehrlich, weiß wirklich jeder, was über den Eingangstoren der KZ-Lager stand? Ich jedenfalls weiß es nicht, mir ist nur wie vermutlich jedem hier jener der Arbeit vom KZ Auschwitz bekannt.
Geißlers Äußerung hingegen geschah nicht aus Versehen sondern mit purer Absicht, aber eben, wie es colourize so schön zusammenfasste, als die extremste Form der Abneigung Geißlers gegenüber den Streithähnen. Ich finde es auch immer besser, je mehr ich darüber mitbekomme, weil er doch tatsächlich das erreicht, was er bezweckte: Dass man darüber redet und dass er wieder im Focus ist und nicht nurmehr eine Nebenfigur, die nur Schattenboxen betreiben darf.
Nun, die Streithähne hatten verdergründig gesagt dass er über alle Kritik erhaben ist (ergo ein unbequemer Schlichter ist weil integer), um hintenrum vermutlich gedacht zu haben dass er ja doch keine Fäden ziehen wird.
Wie unbequem er ist, das sehen sie dieser Tage nun endlich mal ganz real. Ein Geißler lässt sich halt doch nicht so einfach die Butter vom Brot nehmen.
