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Ein Freund von mir fühlt sich nämlich schon als Rockliebhaber auf den Schlips getreten, wenn Synthies deutlich zu hören sind. Der hat Paradise Lost nie verziehen, dass sie plötzlich so völlig anders klangen, als sie mal was Neues machten.
Das Gleiche ist es im (kompletten) Independent-Bereich. Sobald da ne Band versucht, für sich nen passenden Weg zu finden, der auch nur ansatzweise vom bisherigen abweicht, wird sofort drauf gehauen. Mir immer wieder unverständlich.
Jip. So wie es ist darf es nicht bleiben, aber ändern soll sich nix.
In der Hauptsache muss es mir gefallen, ob der Ersteller daran jetzt Spaß hat oder nicht ist mir doch egal.
Wenn ich dann auch noch closed-minded bin und mich auf wenige Stile beschränke wird es umso schlimmer.
Aber betrachten wir das Ganze mal von einer anderen Seite: Faulheit.
Viele sind schlicht zu faul, sich mit für sie neuer Musik zu beschäftigen.
Getreu dem Motto 'Ich hör seit 40 Jahren 70s Rock, warum sollte ich das jetzt ändern?' gibt es eine 70s Rock Revival Band nach der Anderen. Produziert wird, was irgendwie gekauft wird.
Wirklich innovativ auf dem allgemeinen Musikmarkt sind, zumindest vom Marketing betrachtet, die Casting Shows. Dem Volke wird vorgegaukelt, sie hätten bei irgendetwas mitbestimmt und wären bei irgendwas Großem und Wichtigem dabei gewesen. Das Volk kauft dann aus Dankbarkeit. So sind zwar nur die Einnahmen bis zur nächsten Staffel gesichert, aber lieber nur ein halbes Jahr lang kalkulierbare Einnahmen als gar keine.
Überhaupt ist dieses 'Gab es alles schon' ziemlich müßig. Der Mensch hat sich in knapp 100.000 Jahren kaum weiterentwickelt. In den letzten ca. 2.000 Jahren ist schlicht gar nichts passiert. Gut, er ist im Schnitt etwas größer, etwas sesshafter und etwas hygienischer geworden und hat ein bissl an Lebenserwartung dazu gewonnen. Aber sonst?
Im Prinzip wiederholen wir, was unsere Eltern vor 30 Jahren, unsere Großeltern vor 60 Jahren, unsere Urgroßeltern vor 90 jahren und deren Eltern vor 120 Jahren praktiziert haben.
Kreativität existiert nur im Rahmen des Möglichen. Rannten vor gut 500 Jahren noch eingeschleppte Sklaven durch die Gegend und machten unsere Arbeit tun dies nun von uns nach unseren Wünschen und Vorstellungen erstellte Maschinen. Der Unterschied ist marginal. Die Maschinen sind dumm und ohne Willen, es sind keinerlei Aufstände zu befürchten und sie müssen nicht essen, trinken oder schlafen. Ansonsten ist es das gleiche.
Alles, was es an Kunst gibt, gab es schon vor Jahrzehnten. Heutige Comedians versuchen mit anderer Sprache ausgelutschte Pointen zu präsentieren, die schon im 11. Jahrhundert zur sofortigen Steinigung der Spielleute geführt hätte.
Auch erinnerte der terroristische Anschlag auf das Pentagon und das World Trade Centre irgendwie an die Reichstagsbrand von 1933.
Und so kann man das weiterführen.
Ich bin nicht der Einzige, dem diese komische Gruppierung 'Frei.Wild' ein Dorn im Auge ist, da sowohl ihre Musik als auch ihre 'unpolitische' Einstellung ganz stark an die Onkelz von 1980-1985 erinnert.
Persönlich verfolge ich weiterhin Bands und Interpreten, die experimentieren und sich weiterentwickeln.
Ich kann eher damit leben, dass ich ein Album total scheiße finde als dass ich an einem Album überhaupt nichts auszusetzen habe. Letzteres ist für mich einfach nur ein Beweis dafür, dass sämtliche Titel komplett austauschbar sind.