Auf die Gefahr hin, vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen (ist das so? Der Versuch den Bogen wieder zu schließen folgt): Was ist denn eigentlich ein "echter Zufall" wie der radioaktive Zerfall? (der Roulette-Tisch ist keiner, das Ergebnis kann man berechnen aus Geschwindigkeit und Richtung der Kugel, Drehgeschwindigkeit und Position auf der Scheibe).
Hypothese 1: Eben das. Ein echter Zufall. Auf dem Zeitstrahl passieren eben manchmal wirklich zufällige Sachen - wenn man einfach mal guckt, ob Schrödingers Katze tot ist beispielsweise.
Das ist ein ungünstiges Beispiel, weil ich genau daran nicht glaube. Ich bin fest überzeugt, daß einem Teilchen eine Kraft, ein Vorgang innewohnen muß, die/der dem Zerfall vorangeht. Das macht natürlich die ganze Quantentheorie kaputt. Ich glaube aber fest an den gesunden Menschenverstand, der davon ausgeht, daß nichts ohne Grund geschieht. Wenn dieser Grund, diese Eigenschaft des Teilchens nicht in unserer Welt gefunden wird, dann existiert er in einer anderen Dimension, Überwelt o.ä.
Das schöne an dieser Debatte ist, dass einem immer mehr auffällt (also mir jedenfalls, und ich bin mal so dreist zu verallgemeinern), wieviel man eigentlich nicht weiß. Und zwar auf recht vielen Ebenen: Zum einen natürlich, wie die Welt nun wirklich beschaffen ist, ob sie überhaupt existiert, was wir von ihr wissen können und so weiter. Der zentrale Dreh- und Angelpunkt der Diskussion sozusagen.
Leider bleibt auf dieser Ebene außer der Möglichkeit, mal wieder seine Argumentationsfähigkeiten auf rutschigem Terrain spazieren zu führen und den Geist mit spannenden Fragen zu füttern, die einem die Möglichkeit geben, zu den Dingen einmal ganz andere Perspektiven einzunehmen, und sei es testweise, nicht wirklich viel Erkenntnis zurück, außer der Erkenntnis, daß Erkenntnis schwer zu erreichen ist. Oh, aber sehr unterhaltsam ist es natürlich.
Die nächste Ebene ist die eigene Methodenkompetenz: Ich dachte immer, ich hätte Gödel kapiert, aber irgendwie bin ich beim Nachvollziehen wollen des Wikipedia-Artikels zum Unvollständigkeitssatz hängen geblieben. Nun, so sehen eben Herausforderungen aus, und vielleicht sollte ich auch den Original-Artikel lesen. Das ist immer besonders spannend bei abgefahrenen Leuten, und wenn einer abgefahren ist, dann der: Bei seinem Einbürgerungstest in den USA und dem dazugehörigen Nachweis der Kenntisse der Verfassung wies er Anekdoten zufolge nach, dass es möglich sei, innerhalb der bestehenden Gesetze eine Diktatur in den USA zu errichten, ohne die Gesetze ändern zu müssen. Einfach wunderbar solche Menschen. Bei aller Bewunderung für die Ungewöhnlichkeit muss ich aber sagen: Anwendung des Unvollständigkeitssatzes auf die Mathematik insgesamt (warum wird damit eigentlich nicht jedes formal logische System per se ad absurdum geführt)? Schnall isch ned. Lesen, lesen lesen!
Ebenso faszinierend aber strange finde ich die sog. verschränkten Teilchen, die sozusagen "instantan", also ohne Zeitverlust, Informationen über ihren Spin austauschen können. Wieso wird das Licht als oberste Grenze für Geschwindigkeiten gehandelt, aber Information kann noch schneller ? Mit einer Geschwindigkeit sozusagen gegen unendlich ? Ich empfinde diese Tatsachen als Verschwurbelungen eines falschen Weltbildes, was zur Zeit kursiert. Genauso wie vor 2000 Jahren das geozentrische Weltbild angesagt war und man sämtliche Ungereimtheiten mit immer komplizierteren Extra-, Peri- und Zusatzzykeln der Kreisbewegungen der Sonne und Planeten um die Erde herum erklärte.
ähmm... ich drifte ab 
Wenn abdriften bei einer Debatte passt, dann hier! ;-)
Ich drifte gleich mal mit:
Ausgehend von der allgemein anerkannten Aussage, das Experiment sei die wichtigste empirische Methode der modernen Naturwissenschaft, beschloss ich, eines durchzuführen. Weil ich heute von zu Hause arbeite und die Formeln, die ich heute noch durchdringen und erstellen muss, um meine Brötchen zu verdienen, neben einer erschreckenden Banalität auch so trocken sind, dass es aus den Ohren staubt sobald man nur daran denkt, hatte ich gerade auch die Zeit dafür (richtig arbeiten an komplizierten Sachen mache ich sowieso am liebsten nachts).
Die Versuchsanordnung bestand im wesentlichen aus meiner Katze Leia, (treffend) benannt nach der Anführerin der Rebellion aus Star Wars. Nachdem wir hier im Forum kollektiv das aktuelle Weltbild sturmreif geschossen haben (es gibt offensichtlich ausreichend Weltbilder (für Formalisten: entspricht hier lose der Definition der Realität), dass jeder drei haben kann und keines scheint so leicht alles zu erklären), rief ich die Katze zu mir. Nachdem ich ihr ausgiebig versichert hatte, mein Unterfangen hätte weder mit Schrotflinten noch mit eigenartigen Quantenexperimenten zu tun, die ihr die Schnurrhaare krümmen könnten, setzte sich das Tier vor mir auf den Tisch. Ich fragte die Katze daraufhin zwei Dinge:
"Hältst Du es für möglich, dass man die Quantentheorie und die allgemeine Relativitätstheorie vereinigen kann, und wenn ja, wie?"
"Kannst Du mir den Unvollständigkeitssatz von Gödel erklären, ich hatte ihn mir bis dato nur als einen esoterischen Lehrsatz gemerkt?"
Die Katze tat daraufhin, was ihrem felinozentrischen Weltbild entsprach: Sie sah mich mit ihren großen, grauen Augen an, überlegte kurz und sagte "Mauuu". Anschließend erhob sie sich, setzte sich auf meinen Schoß und fing an zu schnurren. Sie hatte, wie es meinen Erwartungen entsprach, nichts und zwar überhaupt nichts von dem was ich sie fragte verstanden, wusste aber genug von der Welt, um in ihrem eigenen Weltbild zu erkennen, was gut für sie war. Sie wurde gekrault, und für die Katze war alles schön.
Und was ist mit uns Jägern und Sammlern? Vielleicht ist unser Gehirn einfach nicht dafür gebaut, das möglicherweise offensichtliche zu erkennen, weil wir ja eigentlich nur Futter wollen, einen Platz zum Schlafen und jemanden zum Kuscheln. Mit viel Training und Selbstkasteiung kommen wir davon los und reden über irgendwelche Theorien, aber während für ein anders geartetes Gehirn viele Folgerungen
eo ipso zu tätigen wären, ringen wir
ceteris paribus (um mal beides zu verwenden) um die kleinsten Erkenntnisse und freuen uns wie wild, wenn mal ein kleiner Beweis gelungen ist.
Vielleicht können wir es nicht verstehen und sollten alle zurück ans Lagerfeuer und würden uns dort gegebenfalls besser fühlen, von der Bürde der Erkenntnissuche befreit?
Die Katze jedenfalls hat noch lange nach dem Kraulen nicht aufgehört zu schnurren.
Hypothese 2: Es gibt keinen echten Zufall. Zu jedem einzelnen möglichen Zeitpunkt zerfällt Dein Teilchen und es zerfällt nicht, die Katze lebt oder beisst ins Gras (armes Tier). Die Realität gabelt sich, und die eine Multivac sagt "huch nun ist es zerfallen" und in der Parallelwelt sagt sie "dauert wohl noch".
Nein, Multivac wird sagen: "Huch, ich habe es ja oben bereits erklärt, ich glaube an die Vorhersagbarkeit des Zerfalls." und ein Eis essen gehen.
Das war für mich inhärent unvorhersagbar. Insbesondere, bei diesem Wetter ein Eis zu essen. :-)