Mein allererstes Vorstellungsgespräch habe ich mal grandios vergeigt, indem ich einfach nur eine realistische Einschätzung meiner selbst abgegeben habe: Dass ich noch keine Berufserfahrung habe, natürlich nicht wissen könne inwieweit schwere Arbeiten sich wuppen lassen (ich aber zuversichtlich wäre), bla blub. Das Feedback des damaligen Chefs war dann auch, natürlich, eindeutig: "Wenn Sie sich nicht einmal hundertprozentig zutrauen was hier gefordert ist, dann kann ich Sie auch nicht einstellen", und so war es nach nicht einmal 10 Minuten erledigt - Gespräch wie Job.
Freunde sagten mir dann auch folgerichtig "warum tust du das auch? Mit dem Personaler / Chef hast du später eh nix mehr zu tun. Hauptsache rein! Von deinen Kollegen kann vermutlich eh mindestens die Hälfte genausowenig wie du, die wurden aber eingestellt, weil sie ebenfalls auf die Kacke gehauen haben".
Das habe ich mir gemerkt: In Vorstellungsgesprächen niemals, niemals so tun als könne man etwas nicht richtig! Selbst wenn es stimmen sollte! Da hat man alles zu können, und wenn man etwas noch nicht kennt, dann selbstbewusst und gelassen zu bleiben, indem man "ach, das ist so ähnlich wie xy, wird schon klappen" oder Ähnliches sagt - eben derjenige zu sein, den sich die Personaler erhofft haben, einer der alles kann.

Insofern kann ich da zumindest für Vorstellungsgespräche zu 100% bestätigen, was jene Forscher behaupten, dass im Zweifel derjenige die Ressource (hier: Den Arbeitsplatz) erhält, der ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung an den Tag legt.
Das geht so weit, dass derjenige eventuell prompt noch ein unverschämt hohes Gehalt erhält, "nur" weil er sich ebendort so gut verkauft hat, dass man ihm abnahm, dass er jenes Gehalt auch wirklich wert ist.
Da hört es dann aber auch auf mit der Übereinstimmung mit der Theorie: Ich glaube, dass im Arbeitsleben selbst zwar Selbstbewusstsein nicht schaden kann, aber da kommt es ja doch oftmals auf Teamwork an. Und wenn da jemand ständig behauptet er könne alles mit links (Selbstüberschätzung eben), es dann aber doch nicht kann, dann fliegt das in nullkommanix auf. Beliebt macht sich derjenige damit dann ja wohl eher nicht.

Fazit: Dort, wo es um den Kampf einer knappen Ressource geht mögen die Wissenschaftler recht haben, wenn es aber um Teamwork geht, glaube ich nicht dran dass ihr Ergebnis hierauf anwendbar wäre.