Ist aber ein interessanter Ansatz. Zu viele Verbote ziehen ja auch automatisch eines mit sich: Zu viele Gerüchte. Da wird dann gerne mal einiges verklärt.
Ich bin z.B. der Meinung, dass man "Mein Kampf" in der Schule lesen sollte. Denn damit kann man frühzeitig Jugendlichen den Zahn ziehen, dass der Bursche ja garnicht so schlimm gewesen ist.. nein, denn bereits dort hat er detailliert all das niedergeschrieben, was er dann später in die Tat umsetzte. Da kann dann niemand mehr mit irgendwelchen Ausreden kommen, von wegen Auschwitz-Lüge o.ä., und man kann von Lehrerseite aus auch genauer drauf eingehen, was an dieser Denke eigentlich so krank ist. So ist er für die Jugendlichen (habe ich in meiner Schulklasse selbst erlebt) häufig nur ein Staatsmann, der es besser hingekriegt hat als alle anderen, dass wir Deutsche stolz sein dürfen. Ebenso ärgerlich wie schockierend.
Was das Naziregime betrifft, gibt es auf der anderen Seite doch garnicht so viele Verbote! OK, das Hakenkreuz in der Öffentlichkeit zu zeigen ist verboten (zu Recht), aber dennoch weiß jeder wie es aussieht, jeder weiß was die SS und die SA war, wie die Uniformen aussahen, die Anfänge des "Blitzkrieges" werden teils in der Schule auch minutiös aufgearbeitet.. das, was eher fehlt, ist die Aufklärung, wie solch ein Massenphänomen des Mitläufertums überhaupt entstehen konnte. Und dass die Gefahr einer Wiederholung durchaus immer gegeben ist! "Hitlers Helfer" als Schullektüre würde ich daher ebenso begrüssen.
Nicht zuletzt zeigen die Verbote auch die anfängliche Hilflosigkeit nach dem Krieg: Man hatte keine Ahnung, wie man dem Grauen begegnen sollte, also verbot man lieber erstmal ordentlich einiges, um sich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen. Weil man sich damit nicht beschäftigen wollte.