Was würde 'gelungene Individuation' in Bezug auf die schwarze Szene bedeuten? Der perfekte, absolut authentische Gruftie zu werden? Das kann es doch nicht sein, oder?
Natürlich nicht, und darauf wollte ich auch hinaus - Grundproblem ist bei vielen Grufties aber, das sie genau das für das sog. "schwarze Lebensgefühl" halten - Authismus - und gar nicht merken, wie sehr sie sich an's Kollektiv klammern.
Ich war am Samstag auf der Return Classics ganz in weiß gekleidet, und wenn ich dann von 18jährigen Mädchen, die glauben, sie hätten was von Batcave verstanden, als Pseudo beschimpft werde, diese aber nur stottern, rot anlaufen und pubertär kicherm, wenn ich sie frage, was Ihre Aussage "Gothic ist eine Lebenseinstellung" denn nun ausser "ich poppe gern zu Virgin Prunes" bedeute, dann merke ich eben genau das. Grufties neigen stark dazu, zu verleugnen, das sie auch nicht mehr und nicht weniger als ein Kollektiv sind.
Ich glaube nicht an Sachen wie Authentizität, seinem eigenen eigentlichen Wesen entsprechen, etc.
Ich durchaus, aber im Kontext zum Umfeld (Individuation setzt Differenzierung, also eine Aussenwelt vorraus) , in dem man sich bewegt, nicht aus sich selbst heraus; und als Entwicklungsideal, nicht als tatsächlich erreichten Zustand.
Sartre: "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt." Freiheit bedeutet bei Sartre aber nicht den Authismus, wie Du ihn beschreibst, und schließt Altruismus exklusiv ein. Ein reines Szeneleben aber ist individueller Stillstand und Tod des (heiddegger'schen) Da-Seins; Individuum sein heißt, sein Wesen immer wieder selbst zu wählen und für seine Entscheidungen Verantwortung zu übernehmen. O.g. Form der Grufties will diese Entscheidungen auf Role-Models und Szene abwälzen.
Sartre knüpft an Heidegger an, und ich stimme ihm vorbehaltlos zu: "Die Existenz des Anderen hat nämlich - und das wird der neue Gewinn sein, den wir aus der kritischen Prüfung der Heideggerschen Lehre ziehen - die Natur eines kontingenten und unreduzierten Faktums.
Man begegnet dem Anderen, man konstituiert ihn nicht. [...] Um irgendwelche Wahrheit über mich zu erfahren, muß ich durch den anderen hindurchgehen. Der andere ist meiner Existenz unentbehrlich, ebensosehr wie er der Erkenntnis, die ich von mir selbst habe, unentbehrlich ist."
@olli: ich glaube kaum, das es hier um einzelne Bands geht.