"Er grinste wieder, zerrte sie mit sich in das IBM-Modul und genoß ihre Schreie und Zuckungen, als er sich und eine stromführende Leitung mit 220Volt in ihren Körper einführte."
Ieks, das klingt ja nach Groschenroman in möchtegern-modern.
Bei mir sind es aktuell:
Marlen Haushofer - Die Mansarde
Nachdem ich von "Die Wand" schon begeistert war, habe ich mich umso mehr gefreut, als ich beim Bücherflohmarkt über dieses Buch von ihr gestolpert bin.
Die Erzählung kommt daher wie ein trüber Sonntagnachmittag: langsam, melancholisch, nachdenklich. Wie es sich für einen Sonntag gehört, ist die Handlung nicht ausufernd. Man wird gemächlich durch das Buch getragen, mal im Jetzt, mal durch die Erinnerungen der Erzählerin, staunt immer wieder über Haushofers Wortwitz und die genauen Beobachtungen, vorgetragen in einer klaren und recht schnörkellosen Sprache, und über die manchmal unkonventionellen Ansichten der Erzählerin. Marlen Haushofer schreibt zeitlos, vieles erscheint weiterhin aktuell.
Ein kleiner Auszug von der Seite, auf der ich gerade angelangt bin:
Ich griff zur Zeitung und blätterte sie durch. Nichts von Bedeutung stand darin, wenn man sich daran gewöhnt hat, dass dauernd irgendwo Krieg ist, Kinder verhungern und in unserem eigenen friedlichen Land jeden Tag ein paar Menschen in Autowracks verbluten, Männer ihre Frauen und Frauen ihre Männer umbringen. Auch eine Menge Betrunkener und Geisteskranker scheint es zu geben. Dazu komme noch die vertrauten Naturkatastrophen, irgendwo erfrieren ständig Menschen und anderswo verdursten sie.
Wie freundlich nehmen sich dagegen die Berichte über Diebe und Betrüger aus. Sind sind geradezu ein Labsal. Jedesmal wenn ich die Zeitung lese, spüre ich Wohlwollen für diese Leute, die einem so unblutigen Gewerbe nachgehen und doch nicht viel weniger hart bestraft werden als Mörder und Totschläger.
Geld scheint ungeheuer wichtig zu sein, man darf es nicht antasten, und das ist wirklich sehr sonderbar und unverständlich. Aber was ist für mich nicht sonderbar und unverständlich? Ich legte die Zeitung weg, gar nicht sehr ordentlich gefaltet, und wünschte allen Dieben, besonders den kleinen, viel Glück für diesen Tag.
Ich habe jetzt etwa einen Drittel gelesen und kann das Buch nur weiterempfehlen.
Außerdem:
Claus Leitzmann / Markus Keller - Vegetarische Ernährung
Etwas nervig finde ich die ständige Wiederholung "Vegetarismus sei ein Lebensstil" (Ja, kann er sein, muss er aber nicht!), aber ansonsten liest sich das Buch bisher gut. Ich habe jetzt das Kapitel mit der historischen Entwicklung durch und da waren doch einige von diesen eigentlich unwichtigen, aber dennoch interessanten Infos eingestreut, die für mich das Lesen sehr interessant gemacht haben. (U.a. weiß ich jetzt, woher das Grahambrot seinen Namen hat, dass Leonardo da Vinci Vegetarier war, dass die Vegetarier im 19 Jh. in Deutschland wohl noch für sektiererische Spinner gehalten wurde, wann die ersten Vegetarierbünde ins Leben gerufen wurden etc.)
Gespannt bin ich jetzt auf das Kapitel "Energie- und Nährstoffversorgung", da ich mir da durchaus ein paar hilfreiche Infos erhoffe.
Falls jemand noch ein Buch zu allgemeiner Ernährungslehre empfehlen kann, freue ich mich über Tipps. Kennt jemand vielleicht das Buch "Ernährungslehre" von Ibrahim Elmadfa? Taugt das etwas?