Disclaimer vorweg: Verallgemeinerungen sind als solche zu verstehen, und wer es wagt, mit Einzelfällen kontern zu wollen, hat doofe Ohren.
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Es gibt keinen gemeinsamen Nenner in der Szene, der über die Farbe "Schwarz" hinausgeht.Kanns nicht ganz sein. Abgesehen von dieser etwas esoterischen Gabe der meisten Goten, "seinesgleichen" auch zu erkennen, wenn sie mal andere Klamotten anhaben bzw. eben NICHT schwarze Kleidung als einziges Dazugehörigkeitsmerkmal zu sehen (sonst wäre Sommer 2000 (glaubich) die schwarze Szene ganz schön groß gewesen), gibts auch andere Merkmale, die zumindest für die heutige Jugendkultur untypisch sind:
[*]Auf schwarzen Parties werden pro Abend insgesamt weniger illegale Drogen konsumiert als an der durchschnittlichen Grundschule - und auch Alkoholkonsum ist "leider" weit unter dem, was die meisten Clubbetreiber als wirtschaftlich ansehen würden.
[*]Sentimentales Oldschoolargument coming up: Im Gegensatz zu den meisten anderen Szenen sowie der Gesamtgesellschaft zeichnet sich die schwarze Szene vor allem dadurch aus, als negativ empfundende Emotionen und Themengebiete überhaupt zuzulassen. Wenn jemand (!= gutaussehende Schnitte) mitten in der Innenstadt oder auf einer Technoparty einfach mal aus welchem Grund auch immer heulend in der Ecke sitzt, wird er/sie von ~100% der umstehenden Leute gemieden bzw. kann von Glück reden, wenn der beste Freund in der Nähe ist und einen zumindest irgendwie von der Peinlichkeit abschirmt. Auf schwarzen Parties hab ich schon öfter gesehen, dass irgendeine Person sich dann um das heulende Stück Elend tröstenderweise gekümmert hat - und das NICHT des Restefickens wegen.
[*]Die Musik ist unabhängig vom Stil immer noch mit einem gewissen Anspruch entstanden, der nicht dem Pop-Grundgedanken "Money for nothing and the chicks for free" entspringt. Natürlich sind weder Deathmetal noch Weiberelctro das, was ich jetzt der hohen Kunst zuordnen würde - aber wer z.B. wirklich bei VNV ernsthafte Ibiza-Assoziationen bekommt, der hat entweder noch nie auf die Texte oder jemals "echten" Ibiza-Techno gehört - bei dem kommt einem vor lauter Plattheit nämlcih sehr, sehr schnell das Kotzen. Und ich bin sehr froh, einer Szene anzugehören, die sich genau davon sehr, sehr weit distanziert.
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Die "Szene" ist keine Subkultur mehr, sondern eine aus einer Subkultur entstandene Meta-Marke, die in erster Linie dem Verkauf dient.Das kann ich so auch nicht unterschreiben. Natürlich ist die Anzahl an Mode- und Plattenlabels, Partyveranstaltern etc. gegenüber der Anfangszeit sehr angestiegen, allerdings sind die meisten davon einfach deswegen in der Szene tätig, weil es ihnen Spaß macht bzw. sie sich in der Szene beheimatet fühlen (sehen wir von Scorpio gerade mal ab). Fakt ist immer noch, dass sich mit Grufties nicht wirklich viel Geld verdienen läßt; in jedem relevanten Bereich (Mode, Musik, Literatur etc) haben größere Marken es versucht und sind kläglich gescheitert.
Denn die Szene ist immer noch zu einem großen Teil konsumfeindlich eingestellt. Wenn unsereins Klamotten kauft, dann nicht um auf der nächsten Return mit dem Jungbluth-Schild am Kleid rumrennen zu können, sondern weil einem das Kleid gefällt. Und auch heute hört man auf die Frage "wo hast du das her?" noch sehr oft die Antwort "selbst gemacht".
Selbe Sache mit der Musik - Im Moment meint die Musikindustrie zwar wieder mal jedem erklären zu müssen, dass man Nightwish und Within Temptation gut finden muß, aber hat da jemals wirklich jemand drauf gehört? Bisher sind alle Wellen wieder abgeebbt, weil z.B. Oomph dem Standardpublikum zu wenig Ballermann-geeignet waren bzw. die schwarze Szene selbst einfach damit weitergemacht hat, was sie schon immer gemacht haben: Das zu hören, was sie aus freiem Willen mögen. Dazu kommt noch, dass völlig antizyklisch diverse Indielabels ihre Kopierschutz-Experimente gleich wieder eingestellt haben und die meisten Szenemusiker dem Thema P2P sehr gelassen bzw. teilweise sogar positiv gegenüberstehen - obwohl in einigen Fällen ihr eigenes Leben davon abhängt.
Sieh Dir auf Festivals an den Ständen die Leute an, die die Sachen verkaufen bzw. denen die Läden gehören - das sind keine "normalen" Leute, die mit goth-geeigneten Dingen Geld verdienen wollen, sondern fast ausnahmslos ehemalige oder noch aktive Mitglieder der Szene, die zu einem großen Teil einen unangenehmen Idealismus an den Start bringen müssen, damit das alles so klappt, und die alle voll hinter ihren eigenen Waren stehen.
Überall sonst ließe sich einfacher mehr Geld verdienen, diese im Kern immer noch konsumfeindliche Szene dahingehend instrumentalisieren zu wollen, wäre völlig sinn- und fruchtloser Aufwand.
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Die Unterschiede zwischen der "Gothic-Szene" und der Gesamtgesellschaft sowie anderen Jugendkulturen beschränken sich wie in Punkt 1 auf die Farbe der Kleidung.Siehe Punkt 1 (1 und 3 gehören IMHO eh zusammengelegt).
Man könnte noch anführen, dass die Szene zumindest auf Parties immer mehr zur Spaßgesellschaft verkommen ist - statt Grablichtern haben wir jetzt auch Scanner, die Musik ist tendenziell lauter geworden und in den Vordergrund getreten und vieles der "alten Schule" scheint verloren (außer Schellen natürlich ;) - aber das sieht im privaten Rahmen und v.a. bei Leuten, die noch neuer in der Szene sind, schon wieder ganz anders aus. Unsereins ist halt einfach alt geworden bzw weitergegangen.
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Die schwarze Szene ist kein Subsystem der Klassenstruktur, sondern stellt sich klassenunabhängig als Auffangbecken für gelangweilte Wohlstandsgören bereit.Das war in den späten Achtzigern bzw. frühen bis mittleren Neunzigern noch so, vgl. deinen Beitrag in nem anderen Thread mit "... denen Punk zu dreckig ist" - heute ist das aber ganz anders. Während ich mich in meinen Anfagszeiten in OL noch schlecht fühlen mußte, weil ich vermutlich nie eine Doktorarbeit schreiben würde, so hab ich heute eher das Gefühl, mich dafür schlecht fühlen zu müssen, dass ich nen Job hab, der auch noch gut bezahlt ist.
Was die gesellschaftlichen Klassen angeht ist (GLÜCKLICHERWEISE) bis auf die Klasse der dummen Asis doch alles vertreten, was so im Bereich 15-40 existiert. Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten, Studenten, Zivis, Bundis, Azubis, Arbeitslose, Arbeiter, Angestellte, Firmeneigner, Doktoren.. ist doch alles da.
Was jedoch auffällt ist dass zumindest der durchschnittliche Intellekt etwas höher anzusiedeln ist als in den meisten anderen Szenen - alleine die Entscheidung, in dieser Szene mitzumischen, erfordert einen Ausbruch aus konventionellen gesellschaftlichen Strukturen, und den bekommt man einfach nicht hin, wenn man schon damit mental ausgelastet ist, den nächsten Klingelton herunterzuladen. Natürlich hab ich in dieser Szene schon Leute kennengelernt, die in etwa den Intellekt eines Toastbrotes hatten - aber es war IMMER ein Toastbrot, das sich in einem gewissen Maße Gedanken über sich und seine Umwelt machen konnte (da wo dann halt bei anderen dummen Menschen das zur-Bushaltestelle-finden-Neuron sitzt).
Und Bombe hat mit seiner Theorie nicht unrecht - eigentlich besteht die ganze Szene nur aus Vollpsychos. Oder es ist halt so, dass nicht nur Genie und Wahnsinn sehr nah aneinanderliegen, sondern sich schon die abgemilderten Stufen davon (Intelligenz und Gestörtheit) zwangsläufig mehr oder weniger miteinander vermischen.
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Identitätsfindung innerhalb des Kollektives "schwarze Szene" ist nicht möglich, da die Szene in ihren Grundzügen, insb. bezüglich ihrer Toleranzschwelle gegenüber sog. "Pseudos", faschistisch ist bzw. eher einer Sekte gleicht. Zusammengehörigkeit wird kulthaft durch Äußerlichkeiten wie Kleidung und Musik inszeniert, alles ausserhalb dieser Sphäre mit hohlen Phrasen als "normal" und daher "dumm" abgetanDa kommts sehr drauf an, in welchen Kreisen man sich befindet. Da die Szene wie jede andere Subkultur eben doch in vielen Facetten ein verkleinertes Bild der Gesellschaft darstellt, hat man als "Pseudo" bzw. mit-fiesem-Adidas-Täschchen-Rumlaufer entweder das Pech, bei oberflächlichen Leuten zu landen, oder halt das Glück dass nicht. Ich kenne sowohl genug Leute, die trotz total unpassender Kleidung entweder herzlich aufgenommen wurden oder die ganze Zeit dabei sind, aber natürlich gibts da auch immer diese Grüppchen von Obergoten, die total hochgestylt in der Sitzecke im Foyer sitzen und den ganzen Abend nur über jeden richten, der es wagt, an ihnen vorbeizulaufen. Wem's Spaß macht...
Fazit: An dieser Stelle verallgemeinerst du viel zu sehr. Oder fällst dank Deiner längeren Szeneabstinenz bei den neuen Geichtern wieder voll in die szenetypische Fake-Arroganz-Falle (von einigen auch Martina-Syndrom genannt).
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