nochmal zu Freundschaften ab 30

Ganz vieles ist eine Frage der Lebensumstände und wieviel die Leute gleichzeitig gebacken bekommen.
Bei mir wars schon im Studium so, dass die einen während der Klausuren- und dann Examensphasen untergetaucht sind und sich nur noch mit PartnerInnen und WG-Bewohnern oder sonstigen ohnehin anwesenden Personen beschäftigt haben. "Keine Zeit". Jaja. Die anderen haben es nebenbei irgendwie geschafft, Kontakte "nach außerhalb" zu halten.
Mit dem Eintritt ins Berufsleben sind dann etwa 80% meines Freundes- und Bekanntenkreises nicht mehr in der Lage gewesen,
Freundschaftsbeziehungen zu organisieren, die sich nicht von selbst ergeben. Heißt: Alle, die man nicht sowieso trifft, waren nicht mehr existent.
Das ging so lange für diese Leute gut, bis es Probleme in der Beziehung oder dem Job gab und man gemerkt hat, dass es doch verdammt eintönig und einsam sein kann, "Gelegenheitsfreundschaften" zu führen. Ergo klingelten sie dann überraschenderweise durch, aber über psychischen Vampirismus (auskotzen über all die eigenen Probleme) ging es selten hinaus.
Man muss sich halt entscheiden, wieviel es einem wert ist, Kontakte aufrechtzuerhalten! Wer stark berufstätig ist, weiß, wie stressig das oft wird.
Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich heute sehr viel genauer darauf achte, wieviel ich für einen Kontakt investiere und wieviel das Gegenüber. Ich kämpfe nicht um Freundschaften um jeden Preis, aber ich opfere auch eine Menge Freizeit, um Kontakt-Anrufe zu tätigen, und ich führe sogar eine Liste, damit ich es schaffe, regelmäßig reihum die Leute zu sprechen.
Der Lohn sind Freundschaften, die nicht unbedingt alle furchtbar viel tiefer sind als die, die ich neu eingehe (und leichter verfügbar sind). Aber es ist schon was Besonderes, wenn dich Freunde kennen, wie du noch zu Schul- oder Studienzeiten warst...
Ich hab den Eindruck, dass die Freundschaften authentischer sind. Heute fällt es mir schwer, neuen Bekanntschaften so schnell zu erklären, wer ich bin. Man hat viel weniger Gelegenheiten dazu als früher. Und das Treffen nur auf Parties & Co. zeigt ja nur einen ganz, ganz kleinen und verfälschten Ausschnitt.
Also für mich bedeutet das, dass ich selbst aktiv werden muss, um Freunde zu finden und zu halten. ICH muss Einladungen aussprechen, ICH muss anrufen, ICH muss Gelegenheiten schaffen, um gemeinsam etwas zu tun, nicht nur zu reden. Das können und wollen viele Menschen nicht investieren. Damit muss man wohl oder übel leben, und im Nachhinein wirft diese Erkenntnis vllt auch ein anderes Licht auf die ach so tiefen Beziehungen, die man früher so einfach im Vorbeigehen bekam^^