Author Topic: Familie = ?  (Read 5627 times)

Thomas

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Familie = ?
« Reply #30 on: 20 May 2006, 11:33:04 »
Quote from: "Lakastazar"
Ich würde sagen, unabhängig von der Form der "Kinderhaltung", eine Verallgemeinerung is immer falsch...

man kann meiner Ansicht nach, trotz meines überzogenen Posts vorhin, nicht sagen, dass "schlecht" erzogene Kinder Ergebnis von entweder arbeitlosen, arbeitsgeilen oder übertätschelnden Hausfrauen/-männern generell sind.

Das Hauptproblem liegt eher, wie ich es sehe, im Konsumterror und der Beliebigkeit unserer Gesellschaft zugrunde, die die Kids zu wertbefreiten Menschen macht...

Diese Aussage soll jetzt nich ein Argument für konservative traditionalistische oder sozialistische Weltbilder sein, sondern lediglich auf die Werte-Charta aufmerksam machen, die ein jeder von uns mehr oder weniger pflegt und in sich trägt und von der man hofft, dass vom Kind etwas für diesen brauchbares davon auch weitergetragen wird, auf dass er das Leben gebacken kriegt und seinerseits ein gesundes Sozialleben führen und in einer neuen Familie reintragen kann...

auf das Soziale Kontinuum kommt es meiner Ansicht nach an...
welches gegenseitiges Verständnis, Respekt/gesunden Abstand und Zuneigung/Aufmerksamkeit vorraussetzt...

Und da sollten meiner Ansicht nach Eltern/Familie/Freunde, Gemeinde/soziales Umfeld und die Gesellschaft, also auch der Staat seinen Beitrag zu leisten...

blubb

Da hast du recht, nur sind die Leute um so empfänglicher für Konsumterror, um so ungebildeter sie sind bzw. um so weiter unten sie in der Gesellschaft angesiedelt sind.Wer sonst nichts hat und nichts kann, der muß eben mit banalen materiellen Dingen (Meine Designerjogginghose, meine Rolex, meine Trunschuhe, etc.) angeben, und so ein Verhalten wird natürlich an die Kinder weitergereicht.Diese müssen das zwar nicht immer übernehmen, aber die wahrscheinlichkeit das sie es tun, ist doch recht hoch.

Ich möchte auch nicht behaupten, das Kinder immer automatisch besser aufwachsen, wenn die Eltern sie größtenteils betreuen.Es ist zum Beispiel statistisch sehr wahrscheinlich, das die Kinder von motivationslosen Langzeitarbeitslosen, die den ganzen Tag nur vor dem Fernseher sitzen oder Bier trinken, eben so werden, weil sie es so gewohnt sind.In solchen Fällen wäre eine ganztagsbetreuung in Schule, Kindergarten, etc. natürlich eindeutig besser für die Kinder.
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Lakastazar

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« Reply #31 on: 20 May 2006, 16:02:21 »
Im weitesten Sinne haben wir da eine ähnliche Sicht auf die Dinge, Thomas

nur die Konsumgeschichte gibts auch bei verwöhnt reichen Gören... ;)
Würds also nich ganz vom materiellen Reichtum/Armut abhängig machen...

Eher von der geistigen und ich meine damit nicht die Bildung, sondern eher die "Vernunft" oder die soziale Kompetenz...

Wieviele verwöhnte Yuppie-Gören fahren in Solarium zuvor braungetoastet ihren Benz oder Merser und sind ja so stolz drauf, dass Geld ihres Pappi oder von Mammi ausgeben zu dürfen...
Die müssen meistens ihre Soziale Inkompetenz damit ausgleichen :P

Thomas

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« Reply #32 on: 20 May 2006, 16:10:53 »
Quote from: "Lakastazar"
Im weitesten Sinne haben wir da eine ähnliche Sicht auf die Dinge, Thomas

nur die Konsumgeschichte gibts auch bei verwöhnt reichen Gören... ;)
Würds also nich ganz vom materiellen Reichtum/Armut abhängig machen...

Eher von der geistigen und ich meine damit nicht die Bildung, sondern eher die "Vernunft" oder die soziale Kompetenz...

Wieviele verwöhnte Yuppie-Gören fahren in Solarium zuvor braungetoastet ihren Benz oder Merser und sind ja so stolz drauf, dass Geld ihres Pappi oder von Mammi ausgeben zu dürfen...
Die müssen meistens ihre Soziale Inkompetenz damit ausgleichen :P

Stimmt schon, die von mit beschriebene soziale Inkompetenz kann es an beiden Enden der gesellschaftlichen Skala geben, vermutlich auch dazwischen.Allerdings halte ich das vorkommen von solchen Fällen im HartzIV-Dauerkunde-Umfeld für häufiger, was man z.B. daran sieht, das die meisten Problemkiddies auf Hauptschulen gehen.Wie viele von den Hauptschülern kommen aber aus "besseren" (zumindest was das finanzielle angeht) Elternhäusern ?
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messie

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« Reply #33 on: 20 May 2006, 16:37:28 »
Quote from: "Thomas"
Quote from: "Lakastazar"
Im weitesten Sinne haben wir da eine ähnliche Sicht auf die Dinge, Thomas

nur die Konsumgeschichte gibts auch bei verwöhnt reichen Gören... ;)
Würds also nich ganz vom materiellen Reichtum/Armut abhängig machen...

Eher von der geistigen und ich meine damit nicht die Bildung, sondern eher die "Vernunft" oder die soziale Kompetenz...

Wieviele verwöhnte Yuppie-Gören fahren in Solarium zuvor braungetoastet ihren Benz oder Merser und sind ja so stolz drauf, dass Geld ihres Pappi oder von Mammi ausgeben zu dürfen...
Die müssen meistens ihre Soziale Inkompetenz damit ausgleichen :P

Stimmt schon, die von mit beschriebene soziale Inkompetenz kann es an beiden Enden der gesellschaftlichen Skala geben, vermutlich auch dazwischen.Allerdings halte ich das vorkommen von solchen Fällen im HartzIV-Dauerkunde-Umfeld für häufiger, was man z.B. daran sieht, das die meisten Problemkiddies auf Hauptschulen gehen.Wie viele von den Hauptschülern kommen aber aus "besseren" (zumindest was das finanzielle angeht) Elternhäusern ?

Ach, Problemkiddies von dem anderen Ende der Skala dann auf sogenannten "Eliteschulen". Die rutschen dann auf andere Art und Weise ab indem das Geld für Drogen halt da ist und die Verantwortung fürs eigene Leben ein Leben lang weggeschoben wird, denn Mama und Papa hauen sie ja schon wieder raus.
Und wenn ich mir die Kritzeleien auf den WCs bei den BWLern und Juristen so ansehe frage ich mich, ob das nicht die Gestörteren unserer Gesellschaft sind ...
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Lakastazar

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« Reply #34 on: 20 May 2006, 16:43:05 »
Wir könnens mal der Statistik halber bei deiner Aussage von mir aus belassen...
aber ich denke, dass wir beide für konkrete Aussagen nicht den nötigen Einblick auf all die relevanten Faktoren haben, die letztlich entscheidend sind für die Entwicklung eines Individuums...

Meiner Auffassung nach sind eh die meisten Menschen sozial eher weniger Kompetent...

es gibt hie und da soziale Kreise, in denen es eine größere Konzentration an sozialer Kompetenz gibt... und dazu zähle ich nich unbedingt soziales Auftreten, sondern Einfühlungsvermögen...

Und ich glaube, dass Notwendigkeiten einerseits und Gier andererseits maßgeblich ein jedes Indivuum unabhängig seines Bildungstandes korrumperbar machen:

Ich denke es ist egal,
ob jemand sich in Gangs organisiert und über mafiöse Bahnen kriminell wird, ob als Drogendealer, Waffenverticker, Zuhälter oder sogar kombiniert mit Computer-Kenntnissen als Hacker/Phischer oder was auch immer tätig ist
oder ob
Leute in Anzügen sich in Kartellen zusammenschließen, über den Börsenmarkt Kleinanleger ausnehmen, als Anwälte über Mahngebühren den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen
oder als
Arbeitgeber über außertarifliche "Vereinbarungen" Arbeitskräfte auslutschen oder noch Schlimmer
Anzugträger an Kriegen, Bürger- oder Bandenkriegen ihr Geld am Waffenhandel verdienen,
in Kooperation mit absatzorientierten Industrien und der Mafia
Drogenhandel, Ölschmuggel über Kasachstan aus Arabien/Irak usw. betreiben,
über Pharmaindustrie vermeindliche Heilmittel verabreichen und sich an der Krankenkasse bereichern und dabei auf die Korrumpierbarkeit des Kassenangestellten oder Praxisleiters erfreuen dürfen...

Ich sehe da ein riesen Netz der Korruption, wo letztlich auch wir als Glied bewusst oder unbewusst mitwirken, in dem wir als Kunde entscheiden, was wir für wieviel Geld zu konsumieren bereit sind oder nicht...

Man kann dies meiner Ansicht nach vollkommen Schichtenunabhängig betrachten... und sollte sich fragen wie weit man gegebenenfalls selber einer Versuchung aktiv widerstehen kann...

klingt pessimistisch... dabei is es lediglich realistisch... :?

Rose

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« Reply #35 on: 20 May 2006, 16:46:08 »
Quote from: "Thomas"
Stimmt schon, die von mit beschriebene soziale Inkompetenz kann es an beiden Enden der gesellschaftlichen Skala geben, vermutlich auch dazwischen.Allerdings halte ich das vorkommen von solchen Fällen im HartzIV-Dauerkunde-Umfeld für häufiger, was man z.B. daran sieht, das die meisten Problemkiddies auf Hauptschulen gehen.Wie viele von den Hauptschülern kommen aber aus "besseren" (zumindest was das finanzielle angeht) Elternhäusern ?


Dem möchte ich einmal vehement widersprechen! Ich behaupte einfach, dass finanziell bessergestellte Eltern es aus Eitelkeit nicht zulassen ihre Kinder auf einer Hauptschule zu sehen.
Einspruchsmöglichkeiten existieren da ja auch. Sogenannte "HartzIV-Dauerkunden" trauen sich auch irgendwann ob der gesellschaftlichen Ausgrenzung nicht mehr ihre Rechte, auch in bezug auf die Schulform auf die ihre kinder gehen sollen, wahrzunehmen. Ich kenne jedenfalls so manchen, der daran reigniert und zerbrochen ist.
Ich hatte damals von meinem Grundschulrektor eine Empfehlung in die Richtung Hauptschule bekommen, einfach da mein großer Bruder ja auch da war - meine Eltern taten alles um das zu verhindern, da es ihnen nicht egal war was ich wollte und sie sich für meine Bedürfnisse eingesetzt haben. Schlussendlich landete ich auf einem privaten Gymnasium (mit Stipendium) und was die reichen Göre da an sozialer Kompetenz haben und welch intakten Familien es da gab mag ich gar nicht berichten.

Hauptmerkmal für eine intakte Familie ist meines Erachtens ausgiebige Kommunikation untereinander und ein Klima in dem man auch zeigt, dass diese Kommunikation erwünscht und wichtig ist - von allen Familienmitgliedern. Der Rest findet sich dann.
".de Elite"

Thomas

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« Reply #36 on: 20 May 2006, 16:56:27 »
Quote from: "Lakastazar"

klingt pessimistisch... dabei is es lediglich realistisch... :?

Mag sein, das stellt aber zum einen nur die negativen was-wäre-wenn-Szenarien da, und zum anderen driftet das schon wieder vom Thema ab  :wink:

Quote from: "rose"
Dem möchte ich einmal vehement widersprechen! Ich behaupte einfach, dass finanziell bessergestellte Eltern es aus Eitelkeit nicht zulassen ihre Kinder auf einer Hauptschule zu sehen.

Das mag auch sein, aber Meldungen über unglaubliche Zustände in geballter Form in Schulen gibt es halt fast immer nur aus den Schrott-Schulen, und nicht von den Gymnasien oder Internaten.
Und in Fällen solcher Zustände spielen oftmals Unfähige oder desinteressierte Elternhäuser eine große Rolle.

Wobei natürlich im Endeffekt auch egal ist, durch welches Fehlverhalten Eltern ihre Kinder versauen.

Und letztendlich gilt auch noch das, was Lakastazar schon erwähnte, wer hat schon wirklich den kompletten statistischen Überblick über alle Relationen der Gründe für Problemkinder ?
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messie

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« Reply #37 on: 20 May 2006, 17:15:35 »
Quote from: "Thomas"

Quote from: "rose"
Dem möchte ich einmal vehement widersprechen! Ich behaupte einfach, dass finanziell bessergestellte Eltern es aus Eitelkeit nicht zulassen ihre Kinder auf einer Hauptschule zu sehen.

Das mag auch sein, aber Meldungen über unglaubliche Zustände in geballter Form in Schulen gibt es halt fast immer nur aus den Schrott-Schulen, und nicht von den Gymnasien oder Internaten.

Da kann ich aber ebenso wie Rose ganz klar widersprechen!
Es wird nur immer aus den Hauptschulen gemeldet wie unglaublich die Zustände dort sind. In der Tat gibt es jene aber auch an vielen anderen Schulen. Dort wird es aber halt aus verschiedenen Gründen nicht nach außen getragen.
Selbst erlebt habe ich es an einem Gymnasium an dem ich war sowie einem Internat: Da wurden die Probleme halt einfach unter den Teppich gekehrt. An der einen Schule waren die Eltern finanzkräftig und einflußreich genug um ihre Kleinen bloß mit keinem Makel dastehen zu lassen - und die "Mäkel" bestanden in Prügeleien und Drogenkonsum bis hin zu Heroin. Kaputtere, gestörtere Jugendliche habe ich in der Hauptschule nebenan nicht gesehen. - An der anderen Schule bestand seitens der Schulleitung ein Interesse, dass nichts nach außen dringt, vor allem nicht zu den bezahlenden Eltern. Da wurden dann solche "Kleinigkeiten" von Prügeleien bis hin zu Kieferbrüchen mit Gartenarbeit "bestraft" und auch dort war von Drogenkonsum über den Volkssport Stehlen bis hin zum Fertigmachen Kleinerer absolut ALLES dabei. Nach außen hin hatte jene Schule dennoch einen ausgezeichneten Ruf - dreimal darfst du raten wieso.  :wink:
Quote
Und in Fällen solcher Zustände spielen oftmals Unfähige oder desinteressierte Elternhäuser eine große Rolle.

... hier wie da.
Probleme dieser Art ziehen sich durch alle sozialen Schichten. Immer dann wenn die Eltern sich selbst wichtiger nehmen als ihre Kinder oder aber eben zu sehr unterbuttern lassen von ihnen, überall dort ist die Katastrophe nicht weit.
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Kallisti

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« Reply #38 on: 21 May 2006, 08:20:13 »
... eh... ja ...

Also erstmal: schön, dass sich hier doch noch einige mehr Interessierte gefunden und ausgetauscht haben.
Aber was ich doch nochmal eben kurz anmerken wollte: Mir ging´s in erster Linie nicht so um das Thema Erziehung (denn es ist eine Sache, ob man seine theoretischen Ideen dazu hat, eine andere ist es, wenn man selbst bereits Kinder und somit tägliche praktische Erfahrung (seit einigen Jahren) hat - also das ist ja mit vielen anderen Dingen des Lebens genauso -> es ist ein Unterschied, ob man Erfahrung mit den Dingen hat oder ob man nur theoretisch darüber redet/eine Meinung dazu hat).

Eigentlich wollte ich mehr darauf hinaus, was eben Kinder von ihren Eltern so erwarten können (dazu gab es ja auch einige Antworten :) ) und dann eben auch, was Eltern von ihren erwachsenen bzw. volljährigen, selbständig lebenden "Kindern" eventuell erwarten können/dürfen???

Das können z.B. auch "Kleinigkeiten" sein, die aber trotzdem von Bedeutung sein können, die Wert haben...
Speziell geht es mir dabei um die Art des Umgangs miteinander.

Naja, aber ich denke mal, dazu müsste ich genauer bzw. persönlicher werden, damit verstanden werden kann, was ich meine. Aber das will ich halt dann doch nicht. Dachte eben, es könnte auch so gehen.  :?
Die einzige Art, gegen DIE PEST zu kämpfen, ist die Ehrlichkeit." Albert Camus

"Die Leute, die ich gerne habe, die müssen nicht wie ich denken, aber irgendwie müssen sie verstört sein, nicht unbedingt stark, aber bis zu einem gewissen Grad... Die Leute, die ich gerne habe, das waren immer Leute, die irgendwie ihr Leben verfehlt haben..., die irgendwie misslungen sind als Wesen." E.M. Cioran

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« Reply #39 on: 22 May 2006, 10:57:22 »
Noch ein kleiner Literaturtipp. Die Bücher (s.u.) sind zwar in mancher Hinsicht "völlig veraltet", wie mir eine schnippische Buchhändlerin mal an den Kopf warf, als ich eins bestellen wollte. Trotzdem findet man zwischen den Rollenstereotypen, die zweifelsfrei aus der Abfassungszeit (1940er/1950er) stammen, sehr interessante Arten, mit Kindern/Beziehungen umzugehen und eine Familie zu gestalten. Einer der besonderen Punkte ist, dass es eine "Patchwork"-Familie ist, mit zwei Eltenteilen, aber mehreren Adoptivkindern, deren Eltern verschwunden bzw. unbekannt sind. Auch die zwei anwesenden Elternteile entziehen sich zeitweilig der Familie (auch räumlich), wenn sie genervt sind.

Die Bücher enthalten den Spruch "Jeder muss nach seinen eigenen, schwierigen Gesetzen leben", propagiert Freiräume für Abenteuer und Deprimiertsein, zeigt aber auch die Notwendigkeit, das eigene Territorium zu teilen,  und diskutiert den Traum von dem festen, sicheren Familienglück, das in jedem Buch von einer anderen Katastrophe innerer und äußerer Art bedroht ist. Sinnbild ist das Haus der Familie als Leuchtturm, zu dem immer wieder alle zurückfinden.

Ich spreche von Tove Jannssons "Mumins". Mein Lieblingsbuch ist "Herbst im Mumintal" (in dem die eigentliche Muminfamilie nur gesucht, aber nicht gefunden wird). Außerdem ist "Winter im Mumintal" ziemlich einzigartig, weil ins Haus der schlafenden (!) Muminfamilie verhungernde Flüchtlinge einziehen, mit denen das wachgewordene Muminkind alles teilen muss, was "ihm gehört". Dabei werden die Themen Tod und Einsamkeit unglaublich einfühlsam dargestellt.

Kallisti

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Re: Familie = ?
« Reply #40 on: 07 December 2010, 22:56:54 »
So, Schonzeit war nu lange genug. ;)

Muss diese alte Kamelle hier einfach nochmal durchlutschen. Hat mit bevorstehendem christlichen Fest nichts zu tun - beschäftigt mich einfach immer noch/immer wieder bzw. jetzt erst recht ... (aus pers. Gründen, mehr oder weniger aktuellen Geschehnissen).

Mir stellt sich immer noch ( :o ) die Frage, ob insbesondere Eltern von ihren Kindern etwas erwarten dürfen oder viel mehr, ob Eltern nichts von ihren Kindern erwarten dürfen? Falls doch - was? Falls nicht - warum nicht?

Sicher, diese Frage könnte ich auch anderen Eltern stellen - mach ich auch. Aber mich interessiert vor allem die Antwort aus (der) Perspektive erwachsener Kinder.

Wie ich in "Liebe" schon anmerkte, bin ich mittlerweile der Ansicht, dass es faktisch gar keine bedingungslose Liebe gibt, dass also auch (und "sogar") Elternliebe nicht bedingungslos ist. Wenn man es nüchtern und ehrlich betrachtet (statt sich in die eigene Tasche zu lügen).


Ich weiß, ich soll wohl wieder persönlicher werden. Ja, das ist halt immer doch eine Gratwanderung. ;)

Zunächst stellte sich mir die Frage halt ganz einfach und naheliegend aus der Sicht der ("erwachsenen") Tochter. So ungefähr: was bin ich (wenn) meinen Eltern "schuldig", bin ich ihnen gegenüber (moralisch?) zu etwas (was?) in irgendeiner Weise verpflichtet (oder empfinde ich es ggf. nur so?) usw. ? Aber das klingt schon recht negativ und führte leider auch schon wieder zu weit in meine persönlichen Hintergründe.

Aktuell stelle ich mir die Frage nun aus der Sicht der Mutter (eines noch nicht erwachsenen, aber fast volljährigen Kindes).


In den bisherigen (alten) Beiträgen klang ja immer wieder an, dass "intakte Familie" u.a. auch sehr dadurch gekennzeichnet ist (oder dass die Idealvorstellung davon ist), dass Eltern immer "da sind", Verständnis, eine offene Tür, ein offenes Ohr haben, die Kinder akzeptieren, respektieren, unterstützen - "egal, was so passiert" ...

Aber sehen wir es doch bitte mal aus der Sicht der Eltern: Ihr, als erwachsene Kinder (von Eltern) - also nicht als Eltern (da gibt es hier ja nicht soo viele ;) ).

Seid ihr der Meinung, eure Eltern dürfen/können/sollen von euch nichts erwarten, einfordern oder erbitten? - Klar, die Frage ist, was gemeint ist. Aber eben - das kann ich selbst leider nicht beantworten.

Ich meine nun nicht so ganz profane Dinge wie Unterstützung in Alltagsdingen (obwohl das heute auch nicht mehr selbstverständlich zu sein scheint - wenn Eltern ihren Kindern schon Geld dafür geben, wenn die erwachsenen Kinder mal bei etwas mithelfen - bspw. Renovierungsarbeiten oder Ähnliches).


Eher doch in Richtung Zusammenhalt. Dürfen Eltern von ihren Kindern Solidarität und Loyalität erwarten? Oder sind diese Begriffe in diesem Zusammenhang völlig unpassend??

Oder auch anders gefragt: Wie weit muss die elterliche Opferbereitschaft gehen, damit Eltern "gute" Eltern sind?

Vielleicht ist das alles doch zu pauschal und wenig detailliert, als dass man darauf antworten kann. Wahrscheinlich ist es das. Trotzdem suche ich nach Antwort(en ?). Und ich finde nicht, dass das immer individuell gesehen werden muss.


Was macht eine stabile, "gesunde" Familie also aus - wenn die Kinder volljährig und "aus dem Haus" sind? ??

Welchen Stellenwert, welche - positive? negative? ... ? - Bedeutung, welche Relevanz haben eure Eltern für euch (heute noch oder wieder?) - oder eben auch nicht?

Ich könnte auch eher fragen: Welchen (emotionalen!) Bezug habt ihr heute zu euren Eltern (noch?)? Und wie zeigt sich dieser Bezug bzw. diese Beziehung im Kontakt mit euren Eltern - worin, wodurch drückt sie sich aus?


Und: Haben Eltern das Recht, die Tür für ihre Kinder nicht immer (nicht unter allen Umständen - nicht: "bedingungslos") offenzuhalten? Unter welchen Umständen? - Oder sind sie eurer Meinung nach dann "Rabeneltern" ... ?

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Eisbär

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Re: Familie = ?
« Reply #41 on: 07 December 2010, 23:34:28 »
Erwartungshaltung an Kinder kann alles kaputt machen. Es kann aber auch motivieren. Alles eine Frage der Dosis und des Individuums.

Generell gilt aber: Als Eltern will man doch hoffentlich, daß das Kind sein eigenes Leben leben kann, seine eigene Träume versucht zu verwirklichen, daß das Kind glücklich wird. Und man unterstützt das Kind eben dabei nach besten Kräften, ohne eben sein eigenes Leben, seine eigenen Träume aufzugeben.

Das ist meine Erwartungshaltung an meine Eltern. Sie sollen mich mein Leben leben lassen. Das tun sie. Und wenn ich sie brauche, sind sie für mich da. Und wenn ich sie brauche, bin ich für sie da.



Solange Kakaobohnen auf Bäumen wachsen, gilt Schokolade als Obst!

-Lethos-

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Re: Familie = ?
« Reply #42 on: 07 December 2010, 23:43:00 »
Und wenn ich sie brauche, sind sie für mich da. Und wenn ich sie brauche, bin ich für sie da.
Lol, was für ein Verschreiber  ;D

-Lethos-

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Re: Familie = ?
« Reply #43 on: 07 December 2010, 23:47:27 »
@Kaligrafie!!
Eh ich anfange auf deine "allgemeinen" Fragen zu antworten, schreibe ich ein Buch dazu!

















.... und veröffentliche es NICHT!!!

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Re: Familie = ?
« Reply #44 on: 08 December 2010, 14:25:41 »
Wieder ganz schön viel Text, Kallisti!  ;)

Ich denke, daß auch Eltern das Recht haben (genauso wie umgekehrt auch), sich gegenüber einem erwachsenen Kind abzugrenzen. Sie müssen nicht immer Stand by stehen und alles nachvollziehen können, was der Nachwuchs tut.


Was die Erwartung an die Eltern betrifft, schließ ich mich Eisbär an. Sie lassen mich mein Leben so leben, wie ich es möchte. Und man ist füreinander da. Ich fühl mich damit sehr wohl.