Ich finde es generell etwas problematisch, Magersucht ohne weiteres in die gesellschaftliche Ecke zu schieben, obwohl das sicherlich richtig ist. Problematisch hierbei ist eine gewisse Beliebigkeit, denn auch andere Phänomene wie Alkoholsucht, Drogensucht, Vergewaltigung oder die äußerst unangenehme Angewohnheit, tote Kinder in Kühlschränken oder Balkonkästen zu verwahren, haben ihre Wurzeln irgendwie in den gesellschaftlichen Zuständen. Dadurch, dass man nun den gesellschaftlichen Gründe der lEssstörungen auf den Grund geht, ändert sich ... gar nichts. Nichts wird die Modebranche dazu bewegen, ihre Modellpolitik zu ändern, außer sie bleiben auf ihrem Kram sitzen. Das gleiche gilt für Frauenzeitschriften. Dem essgestörten Individuum wird dadurch nicht geholfen - denn die Auswirkungen der Krankheit sind ein individuelles Problem, das folgerichtig vom Individuum gelöst werden muss.
Ich persönlich denke, dass die gesellschaftlichen Ursachen ein Aspekt sind, aber nicht der einzige: das Hauptproblem liegt darin, dass Erkrankte und Gefährdete unfähig sind, sich von dem durch Medien etc. geprägten Meinungsbild, wie eine Frau auszusehen habe, dominieren lassen, auch wenn das ganz sinnlos ist. Da wären wir allerdings bei einem individuellen Massenproblem: der Unfähigkeit zum selbständigen und unabhängigen Denken.
edit: es muss ein Albtraum und außerdem sehr langweilig sein (na gut, das ist dasselbe), sich gedanklich dauernd mit Essen zu beschäftigen, wenn auch im Fall von Bulimie und Anorexie in negativer Umkehrung. Ich denke, dass dieses Verhalten durch die zahlreichen Diäten, wo man dauernd was zählen muss, stark gefördert wird.