Poll

Wie schätzt du dein Essverhalten ein?

Ich esse ganz normal, mein Gewicht interessiert mich nicht
26 (56.5%)
weiss nicht
5 (10.9%)
ich bin/war magersüchtig
1 (2.2%)
ich bin/war bulemisch
4 (8.7%)
ich bin/war bulemisch und anorektisch (=magersüchtig)
2 (4.3%)
ich bin/war adipös
8 (17.4%)

Total Members Voted: 43

Author Topic: (Ess-)Süchtig?  (Read 8219 times)

Thomas

  • Newbie
  • *
  • Posts: 15455
  • Industrie und Technik
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #15 on: 18 June 2007, 10:58:21 »
Quote from: Jinx
Es ist wahrscheinlich auch ein Mechanismus à la "wenn ich erst schlank bin, wird alles besser, und mein Leben ändert sich in positiver Hinsicht". Dass sie längst schlank/dünn/dürr/unterernährt sind, darf in diesem Zusammenhang gar nicht wahrgenommen werden, da sich das Leben eben nicht geändert hat, oder zumindest nicht in der gewünschten Hinsicht.
Das kann gut möglich sein.Wobei bei dem zu grunde liegendem Mechanismus der Schlankheitswahn sicherlich nur eine Form ist.Der "Dann wird alles besser"-Effekt findet sicherlich auch in übertriebenen Formen von Glücksspiel, Arbeit, Rum, Geld, etc. seine Anwendung.

Am Anfang steht vermutlich bei all diesen Formen das Gefühl, die Umwelt würde einen (mehr) mögen bzw. überhaupt erst mögen, wenn man in besagten Bereichen trumpfen kann.
„Das ist nur Ihre Meinung“

DeLaGuerre

  • Newbie
  • *
  • Posts: 3350
  • "Ich bin nicht empfindlich. Ihr seid stumpf." YEAH
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #16 on: 18 June 2007, 11:19:21 »
Ich denke auch, dass diese Erscheinungen einen gesellschaftlichen und auch einen politischen Hintergrund haben.

Ich finde es aber VIEL ZU EINFACH, das an den in den Medien verbreiteten Körperbildern festzumachen. Meiner Meinung nach steckt hinter Ess-Störungen viel mehr als nur der vordergründige Wunsch, einen bestimmten Körperumfang zu haben.

Nach meiner schmalen Erfahrung mit Ess-Gestörten steckt dahinter das Problem, mit dem Erwachsenwerden, der Sexualität und der Vergänglichkeit bzw. Zerstörbarkeit des Körpers umzugehen. Man möchte den Körper "rein" machen, nicht nur "gesund", sondern makellos.
Im Übergang vom kindlichen Körper zum Erwachsenen bemerkt man immer mehr, dass Bereiche des eigenen Körpers auf verschiedene Weise "eklig" werden; ein eher harmloses Beispiel ist das Sprießen von Haaren auf den Beinen. Sexualität zerbricht ebenfalls die "Reinheit" des kindlichen Daseins. Schon allein das Schwitzen bei körperlicher Betätigung kann man als sehr unangenehm und peinlich erleben. Jede Form von Zügellosigkeit oder körperlicher Aggression wirkt irgendwie bedrohlich und so, als ob es nicht sein sollte. Essen und die gesamte Verdauung passen da auch ins negative Bild vom "plumpen" echten Leben. Der Körper als ein Sack von Fett und Dung, der immer mehr verfällt... wer sich selbst so sieht, muss sich dafür hassen, und wer stark ist, will sich dagegen wehren... mit seinem Geist, also der Disziplin, sich selbst durch Zurechtmachen und Nahrungskontrolle vor dem endgültigen "Abstieg" zu bewahren...

Ich erwähne das so, weil ich diese Übersensibilität für alles Körperlich-"Grobe", alles "Eklige" unseres physischen Daseins immer und immer wieder aus dem Mund von Essgestörten gehört habe. Da geht es eben nicht nur um Dicksein. Überall fühlt man sich belästigt vom Anblick vergänglichen und triebgesteuerten Fleisches.
Es ist sehr einfach, das auf die Medien und unsere pubertäre Gesellschaft zurückzuführen, die in ihren Darstellungen zum einen das Ideal der übermenschlichen "Reinheit" durch manipulierte Bilder hochhält, zum anderen  mit Ekel und Skandal Aufmerksamkeit erregt, fast immer im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt und Sexualität.

Deshalb denke ich nicht, dass es genügen würde, realistischere Abbildungen von Körpern, z.B. in der "Dove"-Werbung, zu bringen. Es gehört zum Erwachsenenwerden dazu, sich damit abzufinden, nicht mehr so "rein" wie ein Kind zu sein.
Ich selbst habe Anflüge des "Reinheits"-Wahns in meiner frühen Pubertät dadurch überwunden, dass ich gelernt habe, wieviel SPASS es macht, "unrein" zu sein - sich dreckig zu machen, auch mal ungeschminkt rumzulaufen, unanständig zu essen, wüste Dinge zu tun...

Mir hat dabei sehr geholfen, dass ich Leute hatte, denen das auch Spaß gemacht hat und mir eher das Gefühl gaben, sich von allzuviel "Perfektion" abgestoßen zu fühlen. Ich wollte irgendwann zu den "gewöhnlichen" Menschen gehören, weil es verdammt einsam ist, eine makellose, zeitlose Göttin zu sein. Aber man muss dann auch so nicht-perfekt angenommen werden, und genau an dem Punkt wird die ganze Problematik politisch...
« Last Edit: 18 June 2007, 11:22:35 by DeLaGuerre »

Jinx

  • Newbie
  • *
  • Posts: 4424
  • Just do it!
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #17 on: 18 June 2007, 12:12:29 »

Nach meiner schmalen Erfahrung mit Ess-Gestörten steckt dahinter das Problem, mit dem Erwachsenwerden, der Sexualität und der Vergänglichkeit bzw. Zerstörbarkeit des Körpers umzugehen. Man möchte den Körper "rein" machen, nicht nur "gesund", sondern makellos.
Hier greift aber auch das Körperbild in den Medien, das als makellos vermittelt wird. Das beginnt bei Filmen, wo die Heldin nach einer 14-tägigen Wüstendurchquerung aussieht, als käme sie gerade von Friseur und Kosmetikerin, aber auch und vor allem in der Werbung.

Quote
Im Übergang vom kindlichen Körper zum Erwachsenen bemerkt man immer mehr, dass Bereiche des eigenen Körpers auf verschiedene Weise "eklig" werden; ein eher harmloses Beispiel ist das Sprießen von Haaren auf den Beinen. Sexualität zerbricht ebenfalls die "Reinheit" des kindlichen Daseins. Schon allein das Schwitzen bei körperlicher Betätigung kann man als sehr unangenehm und peinlich erleben. Jede Form von Zügellosigkeit oder körperlicher Aggression wirkt irgendwie bedrohlich und so, als ob es nicht sein sollte. Essen und die gesamte Verdauung passen da auch ins negative Bild vom "plumpen" echten Leben. Der Körper als ein Sack von Fett und Dung, der immer mehr verfällt... wer sich selbst so sieht, muss sich dafür hassen, und wer stark ist, will sich dagegen wehren... mit seinem Geist, also der Disziplin, sich selbst durch Zurechtmachen und Nahrungskontrolle vor dem endgültigen "Abstieg" zu bewahren...

Äh, ist das so? (Jetzt völlig ohne Ironie gefragt) Das ist nämlich ein Gedankengang, der mir in dieser Form nie gekommen war und der mir auch nie vermittelt wurde. Hört sich irgendwie sehr christlich an, das Ganze (daher kenne ich das nämlich, begegnete mir im Studium der Kunstgeschichte). Was bin ich froh, dass mir das Etikett "unrein" für den menschlichen Körper als zutiefst absurd, unnatürlich und verklemmt erschien. :D
Quote
Deshalb denke ich nicht, dass es genügen würde, realistischere Abbildungen von Körpern, z.B. in der "Dove"-Werbung, zu bringen. Es gehört zum Erwachsenenwerden dazu, sich damit abzufinden, nicht mehr so "rein" wie ein Kind zu sein.

Naja, weder halte ich Kinder für "rein", noch Erwachsene für "unrein" (wir sind ja nicht in der Waschmittelwerbung). Aber ich denke schon, dass eine anders gestaltete Werbung mit Models, in denen sich "Durchschnittsmenschen" wiedererkennen können, durchaus für hilfreich. Die Lösung für alle Übel der Welt ist das natürlich nicht, denn das hieße, dass man sämtliche Eigenverantwortung delegieren könnte. Aber ich denke durchaus, dass es zu einem Umdenken beitragen könnte, wenn der Dauerbeschuss durch schöne, dünne, künstlich wirkende Menschen man aufhören würde.
« Last Edit: 18 June 2007, 12:15:54 by Jinx »
Das Leben sollte keine Reise mit dem Ziel sein, attraktiv und mit einem guterhaltenen Körper unter die Erde zu kommen. Wir sollten lieber seitlich hineinrutschen, Schokolade in einer Hand, Absinth in der anderen, unser Körper total verbraucht und dabei schreiend "Wow, was für eine Fahrt!"
_______________________-
Der Bullshit ist's, dem ich aus dem Wege gehe.

Eisbär

  • Newbie
  • *
  • Posts: 10374
  • *zwinker*
    • View Profile
    • Schwarzes-Stade
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #18 on: 18 June 2007, 12:28:17 »
Wenn ich Hunger habe, esse ich.

Wenn ich Hunger auf Schokolade habe, esse ich Schokolade!
Habe ich keine Schokolade, dann kann ich keine essen und ärger mich. Wenn ich mich ärger, verbrenn ich die Joules, die ich zu mir nahm, als ich doch Schokolade hatte.


Ich glaube, ich bin normal.
Auch wenn ich ab und zu mal auf der Waage stehe oder gucke, ob mein Waschbrett nicht doch magisch zurüchgekehrt ist ;)
Solange Kakaobohnen auf Bäumen wachsen, gilt Schokolade als Obst!

colourize

  • Newbie
  • *
  • Posts: 6252
  • Dienstältester Newbie des Forums
    • View Profile
    • planetarc
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #19 on: 18 June 2007, 12:40:06 »
Vielleicht sollte die Umfrage nach Geschlechtern getrennt erfolgen.
Meinem Eindruck nach ist Essstörung ein eher weibliches Problem.
Dass Leute wie Eisbär, Thomas oder auch meine Wenigkeit davon nicht betroffen sind, ist ja irgendwie auch nicht so wirklich überraschend...

Eisbär

  • Newbie
  • *
  • Posts: 10374
  • *zwinker*
    • View Profile
    • Schwarzes-Stade
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #20 on: 18 June 2007, 12:51:48 »
Männer und Frauen neigen bei psychischen Problemen (und sei es "nur" Streß) eben zu destruktiven Verhalten.

Frauen neigen aber eben eher dazu, dieses gegen sich selbst zu richten, während Männer es nach außen tragen.
Solange Kakaobohnen auf Bäumen wachsen, gilt Schokolade als Obst!

Thomas

  • Newbie
  • *
  • Posts: 15455
  • Industrie und Technik
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #21 on: 18 June 2007, 12:52:58 »
OT:
Männer und Frauen neigen bei psychischen Problemen (und sei es "nur" Streß) eben zu destruktiven Verhalten.

Frauen neigen aber eben eher dazu, dieses gegen sich selbst zu richten, während Männer es nach außen tragen.

Was zeigt, das Männer schlauer sind als Frauen  8)
„Das ist nur Ihre Meinung“

Lilyanar

  • Newbie
  • *
  • Posts: 1036
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #22 on: 18 June 2007, 13:29:59 »
Es ist ein Politisches, weil ich mit der Forderung "keine Medienikonen mehr unter Kleidergröße 38" eine politische Forderung aufstelle. Sicherlich ist das zu kurz gegeriffen und stellt nicht das Hauptproblem dar. Denn die Ursache ist mangelndes Selbstbewußtsein und eine gewisse Körperfeindlichkeit, die auch der christlichen Kultur inhärent ist. Der Körper, das fremde unreine unheimliche Wesen, das diszipliniert werden muss, am Besten ganz verschwindet, als Herd des Bösen, Triebhaften, Unreinen.
Gut, es darf hierbei nicht Vergessen werden, dass eine häufige Ursache für Esstörungen auch Sexualdelikte sind - wobei dann die christliche Moral der unreinen Körper bis zum Exzess zum tragen kommt (den Körper weghungern, ihn mit Extremsport quälen, ihn verletzen - geht ja auch häufig Hand in Hand mit Essstörungen [SVV])

Unser durch die Medien gespiegeltes Schönheitsideal ist zudem ein zutiefst Frauen- und Körperfeindliches. Frau ist nur dann erfolgreich, wenn sie Kleidergröße 34 (höchstens) trägt, immer "gut" aussieht und viel Geld hat.  Dieses Bild kommt auch in der Werbung häufig zum tragen - die schönen erfolgreichen reichen Dünnen. Die Realität sieht aber anders aus, mal abgesehen davon, das Frauen im Schnitt immer weniger verdienen als Männer, kann Kleidergröße 34 jedoch in den meisten Fällen nur durch asketische Disziplin (hungern, sehr viel Sport treiben) erreicht werden, das ist nicht "natürlich".

Natürlich muss AUCH auf der individuellen Ebene etwas passieren, denn einer/m bereits Süchtigen ist kaum mit einem politischen Beschluss geholfen, wenn sich die Spirale schon eingestellt hat. Dennoch ödet mich das Psychogelaber an: die Individualisierung das Problems. Ich war im Übrigen selbst jahrelang schwer bulemisch und in mehreren Kliniken, ich weiss also wovon ich rede. (Seit ein paar Jahren esse ich glücklicherweise wieder ganz normal und mache mir kaum noch Gedanken darüber.)
Natürlich muss die Person für sich selbst neues Selbstbewußtsein gewinnen, sich von schädlichen Sozial-Strukturen lösen - das kann sie nur für sich selbst als Individuum. Mir geht es allerdings extrem auf den Sack, dass die Gesellschaft die Verantwortung komplett von sich zurückweist. Manche Dinge lassen sich nicht durch eine individualisierte Therapie alleine verhindern. Da Bedarf es etwas mehr. Und das fängt bei dem Bewußtsein über die Kultur, in der wir leben, an.






« Last Edit: 18 June 2007, 13:44:00 by Lilyanar »

Thomas

  • Newbie
  • *
  • Posts: 15455
  • Industrie und Technik
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #23 on: 18 June 2007, 13:44:09 »
Es ist ein Politisches, weil ich mit der Forderung "keine Medienikonen mehr unter Kleidergröße 38" eine politische Forderung aufstelle.
Hm.Ich würde es eher eine moralische Forderung nennen.Die Politik kann sowas vermutlich schwerlich verordnen.

Quote from: Lilyanar
Sicherlich ist das zu kurz gegeriffen und stellt nicht das Hauptproblem dar. Denn die Ursache ist mangelndes Selbstbewußtsein und eine gewisse Körperfeindlichkeit, die auch der christlichen Kultur inhärent ist.
Sehe ich genau so.

Quote from: Lilyanar
Der Körper, das fremde unreine unheimliche Wesen, das diszipliniert werden muss, am Besten ganz verschwindet, als Herd des Bösen, Triebhaften, Unreinen.
Naja, dieses Bild haben wir aber seit dem Mittelalter, spätestens aber während den letzten 50 Jahren hinter uns gelassen."Sex sells" und Sex, körperlicher Genuss, etc. sind die Triebfeder der Werbung, da paßt deine christliche Unterstellung nicht ganz in's Bild.Man ist vieleicht subjektiv unattraktiven Körpern gegenüber feindlich eingestellt, aber nicht dem Körper an sich.

Quote
Unser durch die Medien gespiegeltes Schönheitsideal ist ein zutiefst Frauen- und Körperfeindliches. Frau ist nur dann erfolgreich, wenn sie Kleidergröße 34 (höchstens) trägt, immer "gut" aussieht und viel Geld hat.  Dieses Bild kommt auch in der Werbung häufig zum tragen - die schönen erfolgreichen reichen Dünnen. Die Realität sieht aber anders aus, mal abgesehen davon, das Frauen im Schnitt immer weniger verdienen als Männer, kann Kleidergröße 34 jedoch in den meisten Fällen nur durch asketische Disziplin (hungern, sehr viel Sport treiben) erreicht werden, das ist nicht "natürlich".

Natürlich muss AUCH auf der individuellen Ebene etwas passieren, denn einer/m bereits Süchtigen ist kaum mit einem politischen Beschluss geholfen, wenn sich die Spirale schon eingestellt hat.
Das stimmt schon, wobei : Frauen müssen (viel) Geld haben ? Das Wertebild habe ich bis jetzt noch nicht aus der Werbung herauslesen können.Geld hat er, sie muß nur gut aussehen und gut drauf sein, so die darstellung.
„Das ist nur Ihre Meinung“

Killerqueen

  • Newbie
  • *
  • Posts: 7939
  • Cricket lover
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #24 on: 18 June 2007, 13:44:19 »
DLGs Ausführungen treffen so ziemlich ins Schwarze. Es ist in der Tat bei einem Großteil der Erkrankten ein starker Ekel gegen den eigenen Körper vorhanden. Woher dieser rührt, kann allerdings unterschiedlichster Art sein und ist eher selten christlichen Ursprungs. Er kann beispielsweise völlig banal auf einem "Erziehungsfehler" basieren, der nicht rechtzeitig erkannt und ausgeräumt wurde.
Ein geringes Selbstwertgefühl tut sein übriges.

Die "Gesellschaft" unterstützt die Weiterentwicklung aufkeimender Essstörungen zwar, löst sie aber nicht aus. Die Konsumverweigerung mit Magermodels beworbener Mode wäre aber auf jeden Fall ein Anfang, den ich auch kräftig unterstütze.
"My apologies, my pet cricket has restless leg syndrome." Mayor West (Family Guy)

I am green today
I chirp with joy like a cricket song. (Kira Willey)

Offizielle Ausrichterin das Bavaria Hedge Shears Massakers.

Eisbär

  • Newbie
  • *
  • Posts: 10374
  • *zwinker*
    • View Profile
    • Schwarzes-Stade
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #25 on: 18 June 2007, 13:49:25 »
Aber mal ehrlich:

Ist das überhaupt ein durch die Gesellschaft verursachtes Problem? Warst Du bulemisch, weil die Schiffer in Größe 36 vom Plakat lächelte für ihre Shampoo-Spülung?

Provokativ gefragt:
Seid Ihr Frauen so blöd, Euch von schwulen (!!!) Modedesignern sagen zu lassen, wie ihr erotisch aussehen solltet?

Wir Männer fangen doch auch nicht an zu kotzen, weil der Kerl aus der Davidoff-Werbung mit Waschbrettbauch, markanten Kinn, Dreitagebart und Haarschmalztolle im Wasser dahintreibt. Wir lachen den aus.
Und Frauen sind den Männern doch psychisch nicht unterlegen. Warum solltet Ihr also anfälliger dafür sein?

Quote
Frau ist nur dann erfolgreich, wenn sie Kleidergröße 34 (höchstens) trägt, immer "gut" aussieht und viel Geld hat.
Frau kann ja meinetwegen Größe 34 tragen, wenn sie nur 1,50m groß ist, passen dann die Proportionen ungefähr.
Aber der Rest ist doch Blödsinn!
Oder bei Männern nicht anders. Eher ausschließlich aufs Geld reduziert.
Solange Kakaobohnen auf Bäumen wachsen, gilt Schokolade als Obst!

Lilyanar

  • Newbie
  • *
  • Posts: 1036
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #26 on: 18 June 2007, 13:55:06 »
[...]. Woher dieser rührt, kann allerdings unterschiedlichster Art sein und ist eher selten christlichen Ursprungs. Er kann beispielsweise völlig banal auf einem "Erziehungsfehler" basieren, der nicht rechtzeitig erkannt und ausgeräumt wurde.
Ich stütze mich hierbei auf Nietzsche (Die Geburt der Tragödie). N. ist der Auffassung, dass wir uns seit der Neuzeit in einer Kultur der Körper- und Rauschfeindlichkeit befinden, Werte, die den christlichen Werten inhärent sind.
In einer Phase zunehmender Säkularisierung mag dies villeicht befremdend anmuten, dennoch sollte Mensch sich fragen woher die Dinge kommen, und ich finde diese Erklärung eigentlich sehr plausibel. Was meinst du mit einem "Erziehungsfehler"?

« Last Edit: 18 June 2007, 21:45:22 by Lilyanar »

Lilyanar

  • Newbie
  • *
  • Posts: 1036
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #27 on: 18 June 2007, 13:59:38 »
Aber mal ehrlich:

Ist das überhaupt ein durch die Gesellschaft verursachtes Problem? Warst Du bulemisch, weil die Schiffer in Größe 36 vom Plakat lächelte für ihre Shampoo-Spülung?

Nein, aber die Frauenbilder flossen da sicherlich auch unterbewußt in meinen Kopf. Und es gibt junge Mädchen, bei denen das sehr wohl eine Auswirkung hat!! Und ich habe mich mit seeehr vielen Essgestörten unterhalten.
Über die Ursachen möchte ich nichts schreiben, mir zu privat. Ich kenne sie und das reicht. :)

Eisbär, ich glaube du machst es dir mal wieder etwas einfach. Natürlich gibt es auh sehr viele Frauen, die sich darüber amüsieren.
Heidelotte, dass die Magermodels so vehement verteidigt werden sagt auch schon einiges aus... ::) ;D ::)


DeLaGuerre

  • Newbie
  • *
  • Posts: 3350
  • "Ich bin nicht empfindlich. Ihr seid stumpf." YEAH
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #28 on: 18 June 2007, 14:02:59 »
Man ist vieleicht subjektiv unattraktiven Körpern gegenüber feindlich eingestellt, aber nicht dem Körper an sich.

Irgendwie fehlt mir da fast das zweite "n" beim anfänglichen "Man"...  ::)
Mal ganz ehrlich, woher kommt denn dieser angebliche Irrglaube von den angeblich mehr betroffenen Frauen, unnatürlich aussehen zu müssen? (Ich sage bewusst "unnatürlich" und nicht "unnatürlisch schlank", denn das ist ja bei weitem nicht das einzige....)
Weil Männer wie Frauen immer noch an diesem bescheuerten Bild festhalten, dass insbesondere Frauen nicht bloß gemeinhin hübsch aussehen sollen, sondern irgendwie anders, als es normal wäre. Mehr als zu doch etlichen anderen Zeiten ist unser Körperideal völlig UNNATÜRLICH. Statistisch überhaupt nicht entsprechend. Nur durch ein Verhalten zu erreichen, das keiner normalen Lebensführung entspricht.

Und das ist doch nicht nur für Leute mit Tendenz zu Ess-Störungen nachteilig. Was macht man denn, wenn der eigene Körper und derjenige der Lebensgefährtin zunehmend anders aussieht als die Vorlagen, mit Hilfe derer man seine Sexualität auszuleben lernte? Richtig, alte Bindungen zerbrechen, Menschen kaufen  oder Schönheits-OPs - oder enthaltsam leben, die neue Werte-Idee aus USA!
Ich würde meine Libido nicht so krass konditionieren wollen wie es heutzutage offensichtlich bei vielen Leuten passiert. Wie viele Jahre hat man denn dann Spaß dran? Genau, recht viele, wenn man immer das nötige Kleingeld hat.... auch so ein politischer Punkt bei diesem Körperbild-Gesellschaftserziehungs-Thema...

Ich kann insofern die "Emanzipation" der Frauen in der Werbung nicht gutheißen, die da plötzlich auch nur noch unnatürlich gestylte und retuschierte Männer zeigen soll, "damit die Frauen auch auf ihre Kosten kommen". Dadurch wird das Leid fair auf alle verteilt...


Und: Es gibt tatsächlich nicht nur ess-gestörte Frauen. Ich kenne auch einige ess-gestörte Männer. Der Unterschied ist vielleicht, dass sie damit nicht so sehr auffallen, weil sie eher zur Bulimie neigen bzw. ihr Alkoholismus oder andere Störungen offensichtlicher sind.

DeLaGuerre

  • Newbie
  • *
  • Posts: 3350
  • "Ich bin nicht empfindlich. Ihr seid stumpf." YEAH
    • View Profile
Re: (Ess-)Süchtig?
« Reply #29 on: 18 June 2007, 14:05:14 »
Und Frauen sind den Männern doch psychisch nicht unterlegen. Warum solltet Ihr also anfälliger dafür sein?

Weil unsere Sexualpartner vor Bildern mit Frauen onanieren, die komplett anders aussehen als wir? Und weil Männer nunmal die ungenügende sexuelle Attraktion an erster Stelle als Argument benutzen, um dauerhafte Beziehungen zu beenden?