Und dann? Was ist an einer "richtigen" Stadt denn so toll? 
Es fängt bei größeren Buchläden (in denen man z. B. auch englische Bücher bekommt) an, geht über größere CD-Läden (in denen die Auswahl über Wolle Petry für 17,99 € hinausgeht) bis hin zu netten Cafés (in denen man mit Freunden quatschen kann, und die mit Bahn oder Fahrrad erreichbar sind und man nicht erst ins Auto steigen muß) und einer größeren Auswahl an Clubs (die über Schuppen à la Viva Wentorf). Und das alles in erreichbarer Nähe. Ich hab jahrelang in einer kleineren Stadt gewohnt und bin nun nach HH gezogen. In Reinbek hatte ich mit einigen Nachbarn Streß, habe andere z. T. jahre(!)lang nicht gesehen. Natürlich gab es auch nette Nachbarschaftsverhältnisse. Hier ist es alles sehr offen und freundlich. Nette Nachbarn, die einen freundlich begrüßt haben. Von anderen Freunden (die im selben Stadtteil leben) höre ich, daß man dem Nachbarn auch mal was vom Einkaufen mitbringt, wenn der grad krank ist. Ich finde es engstirnig, wenn "Großstadt" mit Osdorfer Born, Steilshoop oder sonstigen "Schließfächern" gleichgesetzt wird. Da möchte ich auch nicht leben. Ich sitz hier fast direkt im Park, hab noch nie SO grün gewohnt wie hier, und hab nette Nachbarn. Ich find sogar abends nen Parkplatz. Ich lebe sehr gerne hier. 
Also viel Unterschied zu einer Kleinstadt kann ich da jetzt aber nicht erkennen. Denn auch dort gibt es nette Nachbarschaftsverhältnisse. Das mit den Nachbarn ist sowieso - egal wo- Glückssache. Und auch in Kleinstädten kam ich noch nie in die Situation, dass wichtige Einkaufsmöglichkeiten weiter als 10 Minuten Fußmarsch von mir weg waren - das kann einem höchstens in einem 300 Seelen-Dorf passieren. Gutsortierte Buch- und CDläden hatte ich bisher auch überall, sowohl in Nord- als auch Süddeutschland. Solche Läden müssen nicht groß sein, um ein gutes Sortiment zu führen, sondern lediglich engagierte Angestellte haben.

Bei Clubs brauch ich eigentlich keine Auswahl. Es genügt mir ein guter in meiner Nähe und das ist eigentlich fast überall der Fall. Nette kleine Cafés gibt es mittlerweile auch schon überall, wobei mir das ehrlich gesagt nicht sonderlich wichtig ist, da ich lieber im eigenen Garten sitze, als in einem Café.
Aber das mit dem Auto ist natürlich ein Argument. Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, dass Autofahren ja auch nur in einer großen Stadt unangenehm ist. Auf dem Land stört mich das eigentlich überhaupt nicht, da man ja nicht im Stau rumstehen muss oder ständig an Ampeln aufgehalten wird.
Das Einzige, was ich wirklich einzigartig und dadurch reizvoll an Großstädten finde, ist das oft sehr gute Angebot an Konzerten und die besseren Möglichkeiten, mal eben ne Düse zu machen, weil immer ein Flughafen in nächster Nähe ist.
Es ist halt letztendlich eine reine Geschmackssache. Und offensichtlich habe ich mittlerweile lange genug in Großstädten gelebt, dass ich da nicht mehr so scharf drauf bin und gerne eine länger Anreise für Konzerte und dergleichen in Kauf nehme. Ich empfinde es eher so, dass es hier zwar unheimlich viel von allem gibt, aber die Qualität dadurch extrem drunter leidet und bei einem beschränkten Angebot mehr auf die Qualität geachtet wird.