Ok, der Reihe nach.
[...] Andere finden das vllt. gar nicht mal so lustig. Das gilt es zu respektieren. Schließlich will man sich ggf. umgekehrt auch das Recht heraus nehmen, dass sich über bestimmte Dinge, die einen selbst betreffen, nicht gelacht wird (Ja, so einen "wunden Punkt" hat idR jede/r).
- Klar, finden das andere vielleicht gar nicht lustig. So what? Muss ich wirklich bei
jedem Furz darauf achten, dass ich auch ja keinem Mimöschen auf die Zehen trete? Ich denke nicht. Dürfte auch schwer möglich sein, denn irgendwen gibt's immer, dem irgendwas nicht passt. - Nichtsdestoweniger bin auch ich ein großer Freund von Respekt und gebe Dir insofern rundheraus recht, dass man - wenn nicht aus Gründen der Moral, so doch im Interesse der Witzischkeit - nicht auf wunden Punkten, von denen man Kenntnis hat, herumreiten sollte - kommt in aller Regel nämlich eher unlustig. Das wollte ich in meinem Post mit dem Respekt vor dem, der am Boden liegt, ausgedrückt haben. War bildlich, nicht wörtlich zu verstehen. Diese wunden Punkte sind aber individuell und ich wende mich entschieden gegen jede Form von vorauseilendem Gehorsam im Sinne von: "Uh, da könnte sich möglicherweise Person/Gruppe XY auf den Schlips getreten fühlen ..."
In der ersten Folge der neuen Staffel stellt Stromberg zum Thema übrigens folgendes fest:
"Mein Humor is' eben demokratisch. der geht gegen alle gleich. Inländer, Ausländer, Gott, Buddha - schnurzpiepe! - Und gegen Demokratie kann ja wohl keiner was haben. Punkt 1. - Punkt 2: Humor is' wie Gulasch. Da, wo der eine sagt "boah, is' mir zu scharf", da sagt der andere "hmmm, lecker!" und der dritte isst überhaupt kein Fleisch."Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

mir ging es beim eingangspost nicht um sein schwulsein. ich habe schwule ganz doll lieb !!!
- Um das noch mal klarzustellen: geht mir ebenso. Ich hab' rein gar nichts gegen Schwule und wenn's nach mir geht, soll jeder pimpern mit wem oder was oder wie auch immer es ihm behagt - so lang das auf beiderseitigem Einverständnis beruht, wünsche ich viel Vergnügen und mache mich diskret vom Acker. Sehr wohl hab' ich allerdings was gegen eine selbsternannte, moralinsaure Spaßpolizei, die überall mit ihrem langweiligen, erhobenen Zeigefinger herumfuchtelt.
bei "drö chönösen möt döm köntröböss" würde doch auch keiner ein rassistisches kinderlied unterstellen, oder ?!
- Ernsthaft: Ich habe schon Leute kennengelernt, die genau das tun.
@ Kallisti
Ich hab' in der Tat nicht allzu sorgfältig auf argumentative Konsistenz geachtet, Asche auf mein schuldbewusstes Haupt!

Vor allem kann ich hier gar nicht zustimmen
Guter Humor ist immer böse, denn ihm ist nichts heilig.
(Kenaz)
Vor allem da es im direkten Widerspruch zu dem darauf folgenden Satz steht
Aber er tritt nicht zu, wenn der andere am Boden liegt.
(Kenaz)
Der ja aussagt, dass es durchaus doch Grenzen (des guten bösen Humors lol) gibt. Oder es müsste erst wieder geklärt werden, was hier unter "böse" zu verstehen ist.
Schadenfreude hat nach meiner Definition von gutem Humor bspw. nichts mit selbigem zu tun bzw. ist nicht: Humor.
- Da geb' ich Dir völlig recht, in aller Regel - wenn nämlich das Objekt der Witzigkeit "am Boden" liegt (bildlich zu verstehen) - ist Schadenfreude aber auch eine ziemlich unlustige Angelegenheit. Freilich nicht so in Fällen wie den bemühten (Clinton, Friedmann, Westerwelle): Hier handelt es sich um Personen, die ... - siehe oben.
Kurzum: Es gibt meiner Ansicht nach durchaus eine Form von Humor, die insofern böse/boshaft ist, als sie auf die leidlich durchgenudelten individuellen "Präferenzen" eines Menschen abzielt, und dessen ungeachtet moralisch völlig unproblematisch ist. Die Grenze zu jenen Verfallsformen des "Humors", in denen dann wirklich Schwächeren-Bashing betrieben wird, ist, wie bereits gesagt, fließend und lässt sich genau deshalb
nicht thematisch bestimmen. Will heißen: Ich denke nicht, dass ein Witz allein aufgrund seines Themas moralisch verwerflich ist (Ausnahmen, die ich jetzt nicht einzeln aufzählen will, bestätigen hier die Regel), wie immer und überall kommt es auf den Kontext und insbesondere die Verfasstheit desjenigen an, der als Objekt der Spötterei herhalten muss.
Und dann hat der gute Kenaz - bei allem Respekt für seine Sprachgewandtheit, die er ja auch gerne zum Ausdruck bringt
- im dann noch folgenden Satz eigentlich genau das Gleiche (nochmal) gesagt/wiederholt (wie in seinem Satz zuvor):
Und insbesondere tritt er - wenn er gut ist (und hier geht's mir um Kategorien der Witzigkeit - ha-ha-ha - und nicht der Moral - brummelbrummelbrummel ...
) nichts und niemanden, der/das sich ohnehin bereits auf die eine oder andere Weise am Boden befindet.
- Nö, das hat der gute Kenaz nicht, er hat sich aber eventuell ein bissel unklar ausgedrückt. Es ging mir hier um die Differenzierung zwischen Menschen/Gruppen, die per se bereits "am Boden" sind (Beispiel: HartzIVler-Witze, Judenwitze (speziell jene, die sich auf die NS-Zeit beziehen etc.)) und solchen, die erst im Verlauf einer Auseinandersetzung "zu Boden" gehen (so kann eine kleine Frozzelei im Kollegenkreis erst sehr fröhlich beginnen und dann kippen - wenn ich da als Spaßvogel vom Dienst bemerke, dass dem anderen mein Spott Schmerzen bereitet, so werde ich beidrehen).
Ich hoffe sehr, mich einigermaßen klar ausgedrückt zu haben.
