Aber würden hierdurch nicht für international auftretende Unternehmen die Konditionen in den Nachbarländern attraktiver werden, wo sie zu finanziell günstigeren Konditionen und ebenfalls mit geringer sozialer Verantwortung Produkte produzieren und Gewinne erwirtschaften können. Würde bei einer Insellösung, BGE in Deutschland, dieses Land nicht zu einem überwiegenden Importland werden?
Ich hab zwar wenig Ahnung von dem ganzen Wirtschaftskram, aber: Die Produktionskosten in Deutschland würden nicht steigen, sondern sinken, weil die Firmen weniger Gehälter zahlen; es fallen ja für jeden Arbeitnehmer 1500 € (oder wieviel immer das BGE auch betragen wird) weg, und auch Sozialabgaben gibt’s dann ja nicht mehr, die kamen ja auch immer noch auf’s Gehalt drauf. Und wahrscheinlich fällt auch der eine oder andere Arbeitnehmer weg, das reduziert die Kosten ja auch.

Oder im positiven Fall: Würden dann nicht alle Menschen in das "gelobte" Land kommten, zwar Fähigkeiten und KnowHow mitbringen, gleichzeitig aber Fabriken und Infrastuktur auf den anderen Märkten zurücklassen und somit breite Teile der Weltwirtschaft zumindest übergangsweise zum Erliegen bringen?
Ich weiß spontan nicht, was ich dazu sagen soll. „Breite Teile der Weltwirtschaft“? Wollen dann plötzlich mehrere Milliarden Menschen nach Deutschland einwandern?
Diese Leute stünden vor der Wahl:
1.Mehr Zeit für Ihr Hobby und den Rest der Zeit zur freien Verfügung für reinen Konsum, da sie sich ein solches Leben ohne Arbeit leisten könnten.
2.Weitermachen wie bisher. Arbeiten, auch wenn sie es finanziell nicht nötig haben.
3.Weil sie nicht vom Arbeitslohn abhängig sind, können sie von Zwängen/Ängsten befreit einer beruflichen Tätigkeit in einem Spezialgebiet nachgehen, die stärker ihren Neigungen entspricht. Ein Hobby zum Beruf machen, mit dem Risiko, das Interesse/den Spaß an dem einst geliebten Hobby zu verlieren, da es nun etliche Stunden an mehreren Tagen in der Woche praktiziert wird, anstatt sporadisch das eine oder andere Stündchen nach Feierabend.
Wenn jemand ein Hobby hat, welches er zu seinem Beruf gemacht hat und welches ihm nach kurzer Zeit langweilig ist, dann war es vielleicht nicht das richtige Hobby. Aber das ist das Schöne am BGE: Es hilft dir dabei, heraus zu finden, worauf du
wirklich Bock hast. Wenn man halt keinen Bock, jeden Tag, jahrelang, zuhause rum zu sitzen, sucht man sich irgendwas. Und wenn man halt alle drei Monate den Job wechselt, bis man den richtigen gefunden hat: Leben kann man dank BGE trotzdem prima. Und am Ende der Reise wartet die berufliche Erfüllung! Wie schön.

Da man sich den wenigsten Zwängen unterwerfen müsste, würde ich die 1. Möglichkeit vorziehen. Ich stelle mir vor, dass diese Wahl viele andere faule Menschen auch treffen würden und es so zu dem beschrieben Mangel an noch nötigen Arbeitskräften führen könnte.
Ich würde ebenfalls Möglichkeit 1 wählen, zumindest am Anfang. Irgendwann würde ich mir wahrscheinlich auch wieder einen Job suchen, um nicht jeden Tag die gleiche Wand vor mir zu sehen, und so für zwischendurch oder nebenbei hätte ich sogar Bock auf Pizza- oder Taxifahrer.

Wahrscheinlich würde ich aber mehrere Jahre erstmal „zuhause“ bleiben, da ich jemand bin, der sich ganz gut selbst beschäftigen kann, und als Open Source Programmierer gibt es immer irgendwelche Baustellen, um die man sich kümmern kann.

Leute, die sich aber nicht selbst beschäftigen können, und davon gibt es ebenfalls so einige, würden sich halt einfach wieder einen Job suchen. Für Berufe, die qualifiziertes Personal brauchen, wird es weiterhin das qualifizierte Personal geben; die meisten Qualifikationen werden ja erworben, weil die Leute Bock auf das haben, was man mit dieser Qualifikation machen kann.
Und wenn alles nicht hilft, bleibt immer noch die Gier: Einfach die angebotenen Gehälter so lange nach oben drücken, bis jemand anbeißt. Und ja, ich glaube, dass das wirkt, da es der simpelste Prozess ist, der die simpelsten Bedürfnisse anspricht.

Das kann ich mir auf einem abgeschlossenen Markt schon vorstellen, genauso, wenn alle Staaten einen solchen Weg bestreiten würden. In der derzeitigen globalen Ausrichtung vieler Branchen erwarte ich hier aber eine gewinnorientierte Abwanderung der Unternehmen ins Ausland und, wie oben genannt, eine Entwicklung hin zum Importland, zumindest solange wie die Köpfe dort noch mehr verdienen können, als es ihnen unter den Bedingungen, durch das BGE verursacht, in Deutschland vielleicht möglich wäre. Sie können den Mund halt nicht voll genug bekommen.
Wie ich oben schon ausgeführt habe, sinken die Kosten für die Betriebe. Es besteht also überhaupt kein Grund, in’s Ausland ab zu wandern.
Soll sich ein System mit BGE dann z.B. von hohen Einfuhrzöllen finanzieren oder wie stellst Du Dir das vor?
Das BGE finanziert sich ganz simpel aus einer einzigen Steuer, einer Konsumsteuer. Die entspricht in etwa der Mehrwertsteuer und wird immer erst dann fällig, wenn eine Ware oder Dienstleistung den Besitzer wechselt oder in Anspruch genommen wird. Das bedeutet, importierte Waren bekommen diese Steuer auferlegt, exportierte Waren nicht. Export wird also ebenfalls billiger, weil die Kosten für die Ware auf die reinen Material- und Produktionskosten beschränkt sind. Es fallen ja an keiner Stelle mehr Steuern für Löhne und andere Ausgaben an!
Im einen wie im anderen Fall wird in der Finanzierung der regelmäßigen Zahlung von BGE sicherlich auch eine Refinanzierung durch den Rückfluss der Gelder, mittels Konsum durch die Bürger einkalkuliert sein.
Na sicherlich, wenn die oben genannte „Konsumsteuer“ 100% beträgt (und das ist nicht unrealistisch), geht die Hälfte des BGEs wieder zurück an den Staat, das volle Verprassen des BGEs voraus gesetzt.
Wenn jetzt ein beträchtlicher Teil BGE Empfänger sich entscheidet, dass man eigentlich gerade alles hat, was man so zum Leben braucht und die nächsten 5 Jahre erstmal allen Überschuß in den Sparstrumpf steckt, vermisse ich an der Idee noch irgenwie den Weg, durch den sich das ganze im worst case verlässlich finanzieren lassen kann. Neue Steuern, höhere Steuern?
Ein ebenso beträchtlicher Teil wird das komplette BGE auf den Kopf hauen, und zusätzlich noch das, was er noch selbst dazu verdient. Die Rechnung ist einfach: Wer 1500 € BGE bekommt, 1500 € dazu verdient, und alles davon ausgibt, hat 1500 € an Konsumsteuer bezahlt. Damit hat er sich selbst finanziert. Wer mehr verdient (und ausgibt), finanziert auch noch andere mit.
Ich würde im Übrigen dringend empfehlen, den von CommanderChaos verlinkten Film (
http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen bietet Downloads als AVI oder DVD-Images an) zu gucken. Der geht auf diese ganzen wirtschaftlichen Dinge (die ich nur vereinfacht wiedergeben kann) viel genauer ein, als ich das könnte, weil das eben ein Teil ist, den ich für uninteressant finde. Das Suchen nach wirtschaftlichen Argumenten, warum das BGE niemals funktionieren kann, erinnert mich an Leute, die unbedingt Haare in ihrer Suppe finden wollen.
