Und noch mal ein FAQ-Interview. http://www.freiewelt.net/nachricht-3577/ralph-boes:-1000-euro-bedingungsloses-grundeinkommen.html
Ähm...Oo.
Verstehe ich das richtig.
Da steht unter anderem: Der Staat könne sich das BGE u.a. deshalb leisten, weil er ja dann an jedem Beamten- und Politikergehalt 1000€ (Herrn Boes Rechengröße) sparen würde.
Mal abgesehen davon, dass mir (immer noch) nicht klar wird, warum bei Einführung eines BGE die Löhne und Gehälter um die Summe des BGE sinken sollten (oder wird davon ausgegangen, dass alle Arbeitenden ihre Arbeitszeit um den Gegenwert dieser Summe verkürzen? Wenn nicht, sind wir wieder beim Mega-Super-Duper-Geschenk an die Arbeitgeber)...
abgesehen davon also ist
das ja wohl ein klassischer Fall von Selbstbetrug, denn "der Staat" zahlt ja nicht nur die Beamtenbezüge, sondern auch das BGE und spart mithin überhaupt nichts.
Dann kommt der "Familienvater mit, sagen wir: Netto Gehalt 10000€". Nach Einführung eines BGE nach Herrn Boes Vorstellungen
bräuchte der nur noch 6800€, um auf ein Gesamteinkommen von 10000 zu kommen, während ein Single 9000€ einfordern müsste ("einfordern"? Wir hatten mal Tarife.)
Da stellt sich die Frage, ob der Arbeitgeber nicht lieber auf den Familienvater zurückgreift als auf den Single, weil der ihn nur 6800 statt 9000 Euro kostet.
In Wirklichkeit werden sich die Preise nivellieren, d.h. es wird am Ende ein Gehalt zwischen den 6800 Euro des Familienvaters und den 9000 Euro des Singles herauskommen.
Das arithmetische Mittel würde bei 7900 Euro liegen, so dass jetzt sowohl der Familienvater als auch der Single 7900 Euro erhalten würden.
An Ende stünde der Familienvater mit 7900 Zuverdienst plus 3200 Euro Grundeinkommen - das wären 11100 Euro Gesamteinkommen - also etwas besser da als heute, während der Single mit 7900 Arbeitseinkommen plus 1000 Euro Grundeinkommen - das wären 8900 Euro Gesamteinkommen - etwas verliert.
Warum wäre der Familienvater für den Arbeitgeber billiger? Weil es jetzt unterschiedliche Gehälter für gleiche Arbeit gibt, weil das BGE mit dem Arbeitslohn verrechnet wird? Warum muss der Familienvater die ganze Familie abziehen? Wie wirkt sich das aus, wenn eins seiner Kinder mal nen Ferienjob annehmen möchte, für´s erste Auto oder so? Vielleicht möchte der Familienvater genau wie der Single weiterhin 10000€ verdienen, zusätzlich zum BGE? Müssen die dann mehr als 100% arbeiten?
(Im weiteren wird ausgeführt, der Unterschied würde sich in der Mitte nivellieren, so dass der Familienvater, BGE eingerechnet, nachher 11100€ bekommt und der Single "etwas weniger", noch ganze 8900€ - \o/, alle Singles springen hoooooch wg Lohnkürzung um 11%!)
Hinter der „Lohn“-debatte steckt ja immer die Frage: „Was BRAUCHST Du an Geld?“ – oder schärfer gesagt: „Mit wie viel – oder wenig - Geld kann ich dich abspeisen, damit Du morgen wieder bei mir arbeiten kommen kannst?“
Tut mir leid, aber mir leuchtet nicht ein, inwiefern diese Variante BGE
das verändert.
Im folgenden McD-Beispiel sagt McD dann nämlich übersetzt, "ach, arbeiten willste, na, 1000€ kriegste ja schon, früher haste bei uns für 800€ gearbeitet...wir wolln mal nicht so sein, was hältst Du von 600€?".
Und dann zahlt ein milliardenschweres Unternehmen 600€ für ne Vollzeitstelle. \o/
...Sie merken es schon, ganz abgesehen von der Finanzierung ist es das, was mir an dem Modell ü-ber-haupt-nicht gefallen will: Dass der Wert der Arbeit (der ja angeblich steigen soll, weil keiner mehr arbeiten
muss)(also, vorausgesetzt er kommt mit 1000€ aus) ins Bodenlose fällt und dass mir bislang nicht klar ist, warum ich das toll finden soll.
Aber vielleicht erklärt mir das noch jemand?